Lese- und Hörverständnis und deren Zusammenhang mit Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität
Kate Cain, Simon Bignell (2014)
The British journal of educational psychology 84(Pt 1), 108-124
Zusammenfassung
HINTERGRUND: Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) haben häufig Leseschwierigkeiten. Bislang ist unklar, ob Leseschwäche sowohl mit Unaufmerksamkeit als auch mit Hyperaktivität zusammenhängt und ob Leseverständnisprobleme auf mangelnde Worterkennung oder allgemeinere Schwächen des Sprachverständnisses zurückzuführen sind. ZIELE: Wir berichten über zwei Studien, die den Zusammenhang zwischen Lese- und Hörverständnis sowie Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität/Impulsivität untersuchen. PROBANDEN: An beiden Studien nahmen separate Gruppen von 7- bis 11-Jährigen teil. METHODEN: In beiden Studien wurden anhand von Lehrerbeurteilungen zu Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität/Impulsivität drei Risikogruppen für ADHS identifiziert: geringe Aufmerksamkeit, hohe Hyperaktivität, geringe Aufmerksamkeit und hohe Hyperaktivität. Zusätzlich wurde eine gleichaltrige Kontrollgruppe einbezogen. In Studie 1 wurde untersucht, inwieweit Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität das Lesen vorhersagen, nachdem nonverbaler IQ und Wortschatz kontrolliert wurden. In Studie 2 wurden das Hör- und Leseverständnis dieser Gruppen verglichen. ERGEBNISSE: Eine schwache Aufmerksamkeit korrelierte mit einem schwachen Leseverständnis, wobei dieser Zusammenhang teilweise durch die Worterkennungsfähigkeit vermittelt wurde (Studie 1). Gruppen mit hoher Hyperaktivität wiesen im Vergleich zum Leseverständnis ein schwächeres Hörverständnis auf (Studie 2). SCHLUSSFOLGERUNGEN: Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Leseverständnisprobleme von Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen mit einer schwachen Worterkennungsfähigkeit zusammenhängen und dass das Hörverständnis bei Kindern mit einem erhöhten ADHS-Risiko besonders beeinträchtigt ist.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Diagnostik, Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität, Geschlecht, Schule
