Klinische Bedeutung von Tics und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern mit tiefgreifender Entwicklungsstörung
K. D. Gadow & C. J. DeVincent (2005)
Journal of Child Neurology 20(6), 481-488
Zusammenfassung
Ziel dieser Studie war es, die klinische Bedeutung gleichzeitig auftretender Tics und einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) als Hinweise auf eine komplexere Symptomatik bei Kindern mit und ohne tiefgreifende Entwicklungsstörung zu untersuchen. Eltern und Lehrkräfte füllten für 3- bis 5-jährige (n = 182/135) und 6- bis 12-jährige (n = 301/191) Kinder mit tiefgreifender Entwicklungsstörung bzw. klinische Kontrollkinder eine auf dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders-IV basierende Beurteilungsskala aus. Der Anteil der Kinder mit Tic-Verhalten variierte mit dem Alter: Vorschulkinder (25 %, 44 %) gegenüber Grundschulkindern (60 %, 66 %) nach Eltern- bzw. Lehrerbeurteilung. Für viele psychiatrische Symptome waren die Screening-Prävalenzraten in der Gruppe ADHS + Tics am höchsten und in der Gruppe ohne beide Symptomgruppen am niedrigsten; das Muster der Gruppenunterschiede variierte jedoch nach Altersgruppe und Informant. Im Allgemeinen bestanden nur wenige Unterschiede zwischen der Nur-ADHS- und der Nur-Tic-Gruppe. Das Muster der Unterschiede zwischen ADHS-/Tic-Gruppen war bei Kindern mit und ohne tiefgreifende Entwicklungsstörung ähnlich. Wir schlossen daraus, dass diese Befunde die Annahme stützen, wonach das gemeinsame Auftreten von ADHS und Tics bei Kindern mit tiefgreifender Entwicklungsstörung ein Hinweis auf eine komplexere psychiatrische Symptomatik ist. (J Child Neurol 2005;20:481–488).
Kategorien: Komorbiditäten
Schlagwörter: ADHS, Diagnostik, Kinder
