Gewissenhaftigkeit als Mediator des Zusammenhangs zwischen maskulinisierten Fingerlängenverhältnissen und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
M. M. Martel (2009)
Journal of Child Psychology and Psychiatry 50(7), 790-798
Zusammenfassung
Ein häufig übersehener biologischer Risikofaktor, der zur Erklärung geschlechtsspezifischer Prävalenzunterschiede bei Psychopathologie beitragen könnte, sind Sexualhormone. Persönlichkeitsmerkmale, die ebenfalls Geschlechtsunterschiede aufweisen, könnten Zusammenhänge zwischen biologischen Risikofaktoren wie Hormonen und kindlicher Psychopathologie wie ADHS vermitteln (oder alternativ unabhängige Risikofaktoren darstellen).
Methoden: Dreihundertzwölf Kinder/Jugendliche (178 Jungen, 134 Mädchen) im Alter von 8 bis 17 Jahren durchliefen ein umfassendes, mehrstufiges klinisches Diagnoseverfahren; bei 168 Kindern wurde ADHS diagnostiziert, und 144 wurden als Vergleichskontrollen ohne ADHS klassifiziert. Die primären Betreuungspersonen füllten den California Q-sort aus, um ein Maß für Gewissenhaftigkeit zu erhalten. Fingerlängenverhältnisse (insbesondere rechts 2D:4D) dienten als Proxy für die pränatale Testosteronexposition (relativ zu Östrogen).
Ergebnisse: Niedrigere Gewissenhaftigkeitswerte vermittelten statistisch den Zusammenhang zwischen einem stärker maskulinisierten rechten 2D:4D-Verhältnis (d. h. erhöhter pränataler Testosteronexposition) und stärkeren unaufmerksamen ADHS-Symptomen.
Schlussfolgerung: Stärker maskulinisierte Fingerlängenverhältnisse zeigen Zusammenhänge mit ADHS-Symptomen, möglicherweise vermittelt über den Persönlichkeitsmechanismus Gewissenhaftigkeit.
Kategorien: ADHS Allgemein
Schlagwörter: ADHS, Diagnostik, Kinder
