Belege für Emotionsdysregulation als Kernsymptom der ADHS im Erwachsenenalter: Eine systematische Übersicht

Ana-María Soler-Gutiérrez, Juan-Carlos Pérez-González, Julia Mayas (2023)

PLOS ONE 18(1), e0280131

Zusammenfassung

ADHS beginnt in der Kindheit, begleitet die Betroffenen über das gesamte Leben und weist im Erwachsenenalter eine Prävalenz zwischen 3 und 5 % auf. Neuere Arbeiten deuten auf ein viertes Kernsymptom hin, das die Verarbeitung emotionaler Informationen betrifft und die Auswirkungen der ADHS auf soziales, schulisches und berufliches Leben erklären könnte. Ziel dieser PRISMA-konformen Übersicht war es, Merkmale der Emotionsdysregulation und die zugehörige Hirnaktivität bei Erwachsenen mit ADHS zu beschreiben. Nach Literatursuche in sechs Fachdatenbanken erfüllten 22 Arbeiten die Einschlusskriterien. Wegen der Heterogenität wurden sie drei Abschnitten zugeordnet: Messung und Merkmale der Emotionsregulation, neurologische und psychophysiologische Aktivität sowie Behandlung. Die Studienlage ist dünn und in Zielsetzung wie Stichproben sehr uneinheitlich. Erwachsene mit ADHS nutzen häufiger nicht-adaptive Strategien der Emotionsregulation als Personen ohne ADHS-Symptome. Die Emotionsdysregulation war mit Symptomschwere, exekutiven Funktionen, psychiatrischen Komorbiditäten und sogar mit strafrechtlichen Verurteilungen assoziiert. Im Vergleich mit Kontrollpersonen zeigten sich unterschiedliche Muster der Hirnaktivität. Die Autoren halten sowohl pharmakologische als auch verhaltenstherapeutische Ansätze für potenziell geeignet, emotionale Schwierigkeiten bei ADHS im Erwachsenenalter zu verbessern.

Kategorien: ADHS Allgemein, ADHS bei Erwachsenen

Schlagwörter: ADHS im Erwachsenenalter, Erwachsene, Emotionsregulation, Emotionen, Exekutive Funktionen, Komorbidität

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