Die Auswirkungen emotionaler Labilität, gedanklichen Abschweifens und der Schlafqualität auf die ADHS-Symptomschwere bei Erwachsenen mit ADHS
Bartosz Helfer, Ruth E Cooper, Natali Bozhilova, Stefanos Maltezos, Jonna Kuntsi, Philip Asherson (2019)
European Psychiatry 55, 45-51
Zusammenfassung
Gedankliches Abschweifen, emotionale Labilität und Schlafqualität werden bislang meist unabhängig voneinander untersucht, sind jedoch miteinander verknüpft und spielen bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter eine wichtige Rolle. Emotionale Labilität ist ein Kernmerkmal der Störung, übermäßiges gedankliches Abschweifen wurde jüngst mit Symptomen und Beeinträchtigungen der ADHS in Verbindung gebracht, und eine deutliche Mehrheit der Erwachsenen mit ADHS erlebt eine schlechte Schlafqualität. Alle drei Phänomene führen bei ADHS zu funktionellen Beeinträchtigungen; ihre Beziehungen untereinander und zur ADHS-Symptomschwere sind jedoch noch unzureichend verstanden. Mithilfe serieller multipler Mediationsmodelle untersuchten wir den Einfluss von gedanklichem Abschweifen, Schlafqualität und emotionaler Labilität auf die ADHS-Symptomschwere. An der Studie nahmen 81 Erwachsene mit diagnostizierter ADHS teil. Gedankliches Abschweifen und emotionale Labilität sagten die ADHS-Symptomschwere voraus; zugleich waren gedankliches Abschweifen, emotionale Labilität und Schlafqualität miteinander verbunden und trugen signifikant zur ADHS-Symptomatik bei. Gedankliches Abschweifen führte zu emotionaler Labilität, die wiederum zur ADHS-Symptomschwere beitrug; schlechte Schlafqualität verstärkte das gedankliche Abschweifen und damit die ADHS-Symptome. Künftige Forschung sollte objektive On-task-Maße für gedankliches Abschweifen, Schläfrigkeit und emotionale Labilität einsetzen, um die neuronalen Grundlagen dieser beeinträchtigenden Defizite bei ADHS zu untersuchen.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen
Schlagwörter: ADHS im Erwachsenenalter, Erwachsene, Emotionsregulation, Schlaf, Aufmerksamkeit
