DTI-Fibre-Tracking bei Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung
Tobias Bracht (2008)
http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/7000/
Zusammenfassung
Strukturelle und funktionelle Veränderungen frontolimbischer Hirnregionen werden sowohl mit der Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS), als auch mit der Aufmerksamkeits-Defizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in Verbindung gebracht. Neuere Studien untersuchten die funktionelle Konnektivität dieser für die Emotionsregulation und Impulskontrolle bedeutsamen Hirnregionen. Da funktionelle Konnektivität auf struktureller Konnektivität basiert, gehen wir davon aus, dass sich Pathologien nicht ausschließlich auf Kernregionen grauer Substanz beschränken, sondern auch die weiße Substanz betreffen. Deshalb untersuchten wir bei 19 Patientinnen mit BPS und ADHS Komorbidität und bei einer Kontrollgruppe von 20 gesunden Frauen mittels einer Diffusion Tensor Imaging (DTI) Studie die strukturelle Konnektivität zwischen verschiedenen limbischen (Amygdala, Hippokampus) und kortikalen (anteriores Cingulum, dorsolateraler präfrontaler Kortex, medialer und lateraler Orbitofrontalkortex) Hirnregionen. Zahlreiche DTI-Algorithmen ermöglichen es, Faserverbindungen in vivo darzustellen. Allerdings erfordern diese Algorithmen a priori Kenntnisse über den makroskopischen Verlauf der darzustellenden Faserverbindungen. Durch den im Rahmen dieser Arbeit beschriebenen probabilistischen Fibre Tracking Algorithmus (Kreher et al., 2008) lässt sich der makroskopische Verlauf von Faserverbindungen zwischen zwei Hirnregionen rekonstruieren, ohne dass man im Voraus Kenntnisse über deren exakten Verlauf benötigt. Durch probabilistisches Fibre Tracking kann die strukturelle Konnektivität zwischen diesen Hirnregionen quantifiziert werden. Wir identifizierten zwei verschiedene Faserbündel, die über den Fasciculus uncinatus sowie über den inferior thalamic peduncle laufen und Amygdala und Hippokampus mit dem ACC und dem OFC verbinden. Faserbündel, die Amygdala und Hippokampus mit dem dlPFC verbinden verlaufen in der Capsula interna und externa. Nach räumlicher Normalisierung der Fibre Tracks eines jeden Probanden in den MNI-space rechneten wir Gruppenvergleiche zwischen Patientinnen und Kontrollen. Wir fanden im Truncus des Corpus Callosum einen Cluster mit signifkant verminderter Verbindungswahrscheinlichkeit der Patientinnengruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe, Bestandteil einer Verbindung zu sein, die beide anteriore Cinguli miteinander verbindet. Eine verminderte strukturelle Konnektivität im Bereich der anterioren Cinguli könnte ein neurobiologisches Korrelat einer gestörten Affektregulation bei Patientinnen mit BPS und ADHS sein.
Kategorien: Persönlichkeitsstörungen
Schlagwörter: bps, Borderline-Persönlichkeitsstörung, diffusion tensor imaging
