Untersuchung der Kleinhirngröße bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
Mostofsky et al. (1998)
Journal of Child Neurology 13(9), 434-439
Zusammenfassung
Befunde aus Tier- und Humanforschung legen nahe, dass das Kleinhirn eine Rolle bei kognitiven Prozessen spielen könnte. Dazu gehören Bereiche exekutiver Funktionen, die üblicherweise dem präfrontalen Kortex zugeschrieben werden und bei Personen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) typischerweise beeinträchtigt sind. Zur Untersuchung der Kleinhirnstruktur bei ADHS wurde die Morphometrie mittels Magnetresonanztomographie eingesetzt, um die Fläche des Kleinhirnvermis bei 12 männlichen Personen mit ADHS und 23 hinsichtlich Alter und Wechsler-Gesamt-IQ gematchten männlichen Kontrollen zu messen. Analysen wurden durchgeführt, um Gruppenunterschiede sowie Unterschiede zwischen gematchten Paaren von Personen mit und ohne ADHS zu untersuchen. Alle Messungen wurden für die gesamte Gehirngröße korrigiert. Beide Analysen zeigten, dass die Größe des posterioren Vermis bei männlichen Personen mit ADHS signifikant vermindert war (P < .05 in beiden Analysen) und dass innerhalb des posterioren Vermis der inferiore posteriore Lappen (Lobuli VIII–X) an dieser Reduktion beteiligt war (P < .05 für die Gruppenanalyse, P < .005 für die Analyse gematchter Paare), während der superiore posteriore Lappen (Lobuli VI/VII) nicht betroffen war. Der Befund einer abnormen Größe des inferioren posterioren Vermis legt nahe, dass eine Dysfunktion in dieser Region des Kleinhirns den bei Personen mit ADHS beobachteten klinischen Defiziten zugrunde liegen könnte. (J Child N1e9u9r8o;l 13:434-439).
Kategorien: ADHS Allgemein
Schlagwörter: ADHS, Kleinhirngröße, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Magnetresonanztomographie-Morphometrie, präfrontaler Kortex
