Variabilität der Prävalenz von ADHS im Erwachsenenalter bei behandlungssuchenden Patienten mit Substanzkonsumstörung: Ergebnisse einer internationalen multizentrischen Studie zu DSM-IV- und DSM-5-Kriterien
Geurt van de Glind, Maija Konstenius, Maarten W.J. Koeter, Katelijne van Emmerik-van Oortmerssen, Pi (2014)
Drug and Alcohol Dependence 134, 158-166
Zusammenfassung
Hintergrund: Verfügbare Studien unterscheiden sich erheblich in ihren Schätzungen zur Prävalenz der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Patienten mit Substanzkonsumstörung (SUD); die Angaben reichen von 2 bis 83 %. Ein besseres Verständnis möglicher Gründe für diese Variabilität sowie der Auswirkungen des Wechsels von DSM-IV zu DSM-5 ist erforderlich.
Methoden: Es wurde eine zweistufige internationale multizentrische Querschnittsstudie in 10 Ländern unter Patienten stationärer und ambulanter Suchthilfeeinrichtungen für Alkohol- und/oder Drogenkonsumstörungen durchgeführt. Insgesamt wurden 3558 behandlungssuchende SUD-Patienten auf ADHS im Erwachsenenalter gescreent. Eine Teilstichprobe von 1276 Personen mit sowohl positivem als auch negativem Screening nahm an einem strukturierten diagnostischen Interview teil.
Ergebnisse: Die Prävalenz von ADHS im Erwachsenenalter nach DSM-IV bzw. DSM-5 variierte nach DSM-IV von 5,4 % (95%-KI: 2,4–8,3) in Ungarn bis 31,3 % (95%-KI: 25,2–37,5) in Norwegen und nach DSM-5 von 7,6 % (95%-KI: 4,1–11,1) in Ungarn bis 32,6 % (95%-KI: 26,4–38,8) in Norwegen. Die Verwendung identischer Erhebungsverfahren in allen Ländern und Zentren verringerte die in früheren Studien unter SUD-Patienten berichtete Variabilität der ADHS-Prävalenz deutlich (2–83 % → 5,4–31,3 %). Die verbleibende Variabilität ließ sich teilweise durch die primär konsumierte Substanz und das Land (nordische vs. nichtnordische Länder) erklären. Die Prävalenzschätzungen nach DSM-5 waren geringfügig höher als nach DSM-IV.
Schlussfolgerungen: Angesichts der insgesamt hohen Prävalenz von ADHS im Erwachsenenalter sollten alle behandlungssuchenden SUD-Patienten gescreent und nach bestätigter Diagnose auch hinsichtlich ADHS behandelt werden, da die Literatur bei behandlungssuchenden SUD-Patienten mit ADHS auf eine ungünstige Prognose der Substanzkonsumstörung hinweist.
Kategorien: Sucht
Schlagwörter: Prävalenz, Substanzkonsumstörung, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, DSM-5, Erwachsene
