Neurofeedback bei ADHS: Weitere Teile des Puzzles
Holger Gevensleben, Maike Kleemeyer, Lillian Geza Rothenberger, Petra Studer, Andrea Flaig-Röhr (2013)
Brain Topography 27(1), 20-32
Zusammenfassung
Unter den verschiedenen Neuromodulationsverfahren gewinnt Neurofeedback (NF) bei der Behandlung von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zunehmend an Bedeutung. In diesem Artikel wird ein methodischer Rahmen zusammengefasst, der das Training als neurobehaviorale Behandlung betrachtet. Randomisierte kontrollierte Studien werden selektiv besprochen. Vorgestellt werden Ergebnisse aus zwei kleineren Studien. Die erste umfasst eine tomografische Analyse im Verlauf eines Trainings langsamer kortikaler Potenziale (SCP) sowie eine Korrelationsanalyse zwischen Regulationsfähigkeiten und klinischem Ergebnis bei Kindern mit ADHS. In der zweiten Studie wurde ADHS-bezogenes Verhalten bei Kindern mit Tic-Störung untersucht, die entweder ein SCP-Training oder ein Theta-/Low-Beta-Training (12–15 Hz) absolvierten (einfach verblindetes, randomisiertes Design). Beide Studien liefern weitere Hinweise auf die Spezifität der NF-Effekte bei ADHS. Auf Grundlage dieser Befunde wird ein verfeinertes Modell der Mechanismen entwickelt, die zur Wirksamkeit des SCP-Trainings beitragen. Trotz zahlreicher offener Fragen zu Kernmechanismen, Moderatoren und Mediatoren scheint sich NF-Training (Theta/Beta und SCP) zu einem wertvollen und ethisch vertretbaren Baustein in der Behandlung von Kindern mit ADHS zu entwickeln.
Kategorien: Kognitives Training
Schlagwörter: Neurofeedback, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Tic-Störung (Tourette-Syndrom), neurobehaviorales Modell, langsame kortikale Potenziale, Theta/Beta
