Die Bedeutung relativer Maßstäbe bei ADHS-Diagnosen: Evidenz anhand exakter Geburtsdaten
Todd E. Elder (2010)
Journal of Health Economics 29(5), 641-656
Zusammenfassung
Diese Arbeit legt Evidenz dafür vor, dass Diagnosen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in hohem Maße durch subjektive Vergleiche zwischen Kindern derselben Klassenstufe beeinflusst werden. Etwa 8,4 % der Kinder, die im Monat vor dem in ihrem Bundesstaat geltenden Stichtag für die Kindergartenaufnahme geboren wurden – und damit typischerweise zu den jüngsten und entwicklungsbezogen unreifsten Kindern einer Klassenstufe gehören –, erhalten eine ADHS-Diagnose, verglichen mit 5,1 % der Kinder, die im unmittelbar folgenden Monat geboren wurden. Das Geburtsdatum eines Kindes relativ zum Aufnahmestichtag beeinflusst auch stark die Einschätzung der Lehrkräfte, ob das Kind ADHS-Symptome zeigt, steht jedoch nur schwach mit entsprechend gemessenen elterlichen Einschätzungen in Zusammenhang. Dies deutet darauf hin, dass viele Diagnosen durch die Wahrnehmung der Lehrkräfte von auffälligem Verhalten der jüngsten Kinder einer Klasse beeinflusst sein könnten. Diese Wahrnehmungen haben langfristige Konsequenzen: Die jüngsten Kinder der fünften und achten Klassenstufe nehmen fast doppelt so häufig wie ihre älteren Mitschüler regelmäßig zur Behandlung von ADHS verordnete Stimulanzien ein.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik
Schlagwörter: ADHS, Symptome, Diagnosen, Regressionsdiskontinuität
