Tianeptin: Ein neuartiges atypisches Antidepressivum, das neue Einblicke in die biomolekularen Grundlagen der Depression ermöglichen könnte
Christiaan Brink, Brian Harvey, Linda Brand (2006)
Recent Patents on CNS Drug Discovery 1(1), 29-41
Zusammenfassung
Tianeptin, ein von Servier patentiertes und entwickeltes atypisches Antidepressivum, verstärkt die synaptische Wiederaufnahme von Serotonin, ohne die Aufnahme von Noradrenalin und Dopamin zu beeinflussen, und weist keine Affinität zu Neurotransmitterrezeptoren auf. Dieser Wirkmechanismus eines Antidepressivums erscheint paradox, da die derzeit eingesetzten Antidepressiva die Serotoninwirkung durch Hemmung seines Abbaus oder durch Hemmung der monoaminergen Wiederaufnahme verstärken. Obwohl gezeigt wurde, dass Tianeptin die zentrale 5-HT-Verfügbarkeit vermindert, indirekt zentrale adrenerge und dopaminerge Systeme moduliert und indirekt eine cholinerge Hyperaktivität hemmt, wird angenommen, dass seine antidepressive Wirkung unmittelbarer mit zentralem neuronalem Remodeling und der Wiederherstellung neuronaler Plastizität zusammenhängt. In zuverlässigen Tiermodellen der Depression verhindert Tianeptin Neurodegeneration und Verringerungen des Hippocampusvolumens als Reaktion auf chronischen Stress. Es wird vermutet, dass diese Effekte auf die Neuroplastizität mit einer Normalisierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse und modulierenden Wirkungen auf exzitatorische Aminosäuren und N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptoren zusammenhängen. Gemeinsam mit einer Reihe verwandter Studien stützen diese Daten die Hypothese, dass Depression mit einer Dysregulation von Signalwegen verbunden sein könnte, welche die zelluläre Resilienz steuern, und dass die Behandlung auf deren Umkehrung ausgerichtet sein sollte. Wichtig ist, dass Tianeptin nicht anxiogen wirkt und auch bei therapieresistenter Depression Wirksamkeit gezeigt hat, was den Weg zu einem bedeutsamen Fortschritt in der Depressionsbehandlung eröffnen könnte.
Kategorien: Affektive Störungen, Medikamente
Schlagwörter: Tianeptin, Depression, Antidepressiva, biologische Grundlagen, Patente, Trends
