Akkulturation, kulturelle Werte und Überzeugungen lateinamerikanischer Eltern zur Ätiologie von ADHS

Kathryn E. Lawton, Alyson C. Gerdes, Lauren M. Haack, Brian Schneider (2012)

Administration and Policy in Mental Health and Mental Health 41(2), 189-204

Zusammenfassung

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gehört zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindesalter. Trotz der Verfügbarkeit mehrerer evidenzbasierter Interventionen ist bei Kindern lateinamerikanischer Herkunft der Bedarf an ADHS-bezogenen Versorgungsleistungen häufiger ungedeckt als bei Kindern ohne Minderheitenzugehörigkeit. Da die elterlichen Überzeugungen zur Ätiologie von ADHS wahrscheinlich die Inanspruchnahme von Leistungen beeinflussen, sollte sich die Forschung auf kulturelle Faktoren konzentrieren, die elterliche Vorstellungen über die Ursachen kindlicher Verhaltensprobleme prägen können. Ziel der vorliegenden Studie war daher, in einer Stichprobe lateinamerikanischer Eltern die Rolle von Akkulturation und den kulturellen Werten Familismus, Respekt, Spiritualität und traditionellen Geschlechterrollen bei der Erklärung elterlicher ätiologischer Überzeugungen zu ADHS zu untersuchen. Die Ergebnisse legen nahe, dass die verhaltensbezogene Akkulturation weder mit biopsychosozialen noch mit soziologischen/spirituellen ätiologischen Überzeugungen signifikant korrelierte; die kulturellen Werte Familismus und traditionelle Geschlechterrollen waren jedoch positiv mit soziologischen/spirituellen Überzeugungen korreliert. Explorative Analysen deuteten ferner darauf hin, dass Familismus und traditionelle Geschlechterrollen nach Kontrolle des sozioökonomischen Status 30,5 % der Gesamtvarianz soziologischer/spiritueller Überzeugungen zu ADHS erklärten. Post-hoc-Analysen zeigten schließlich, dass kulturelle Werte mit mehreren einzelnen Überzeugungskategorien innerhalb des soziologischen/spirituellen Bereichs verbunden waren, darunter Vorstellungen über Freunde, Spiritualität und ein gestörtes Gleichgewicht mit der Natur. Die vorliegende Studie unterstützt die Einbeziehung ätiologischer Überzeugungen und kultureller Faktoren in die Forschung zu Hilfesuche und Zugang zu psychosozialen Versorgungsangeboten bei lateinamerikanischen Familien und legt nahe, dass die Berücksichtigung alternativer ätiologischer Vorstellungen über kindliches Verhalten ein wichtiger Faktor für kultursensible psychosoziale Versorgung sein kann.

Kategorien: ADHS Allgemein, ADHS bei Kindern

Schlagwörter: Akkulturation, kulturelle Werte, ätiologische Überzeugungen, ADHS, ungedeckter Bedarf

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