Gegensätzliche Defizite exekutiver Funktionen bei chinesischen delinquenten Jugendlichen mit Symptomen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und/oder Lesestörung

Kean Poon, Connie S.-H. Ho (2014)

Research in Developmental Disabilities 35(11), 3046-3056

Zusammenfassung

Viele Studien berichteten eine hohe Prävalenz von Lesestörungen (RD) und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei delinquenten Jugendlichen. Nur sehr wenige haben deren kognitives Profil untersucht. Die vorliegende Studie verglich exekutive Funktionen (EF) und den Schweregrad der Delinquenz bei delinquenten Jugendlichen mit RD und/oder ADHS-Symptomen (AS). Delinquente Jugendliche mit AS (n = 29), RD (n = 24) und komorbiden AS + RD (n = 35) wurden aus Jugendhilfe-/Justizeinrichtungen rekrutiert; hinzu kamen typisch entwickelte Kontrollpersonen (n = 29) aus örtlichen Schulen. Alle absolvierten EF-Untersuchungen und Selbstbeurteilungsfragebögen zur Delinquenz. Die Ergebnisse zeigten, dass die reine AS-Gruppe eine beeinträchtigte Inhibition aufwies, während die reine RD-Gruppe Schwächen bei Verarbeitungsgeschwindigkeit und visuellem Gedächtnis zeigte. Die Komorbiditätsgruppe zeigte spezifische Beeinträchtigungen der Interferenzkontrolle und einen signifikant höheren Schweregrad der Delinquenz. Die vorliegenden Befunde legen nahe, dass die Komorbidität von AS + RD den Schweregrad der Delinquenz beeinflussen kann. Zudem liefern sie ein umfassenderes Bild der spezifischen EF-Defizite der verschiedenen Gruppen und ermöglichen dadurch eine bessere Abstimmung zukünftiger Identifikations- und Interventionsprogramme.

Kategorien: Störung des Sozialverhaltens, Teilleistungsstörungen

Schlagwörter: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Lesestörung, Komorbidität, delinquente Jugendliche, exekutive Funktionen

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