Länderübergreifende Prävalenz und Korrelate der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Erwachsenen
J. Fayyad, R. De Graaf, R. Kessler, J. Alonso, M. Angermeyer, K. Demyttenaere, G. De Girolamo, J. M. (2007)
The British Journal of Psychiatry (2007), 190:402-409
Zusammenfassung
Hintergrund: Über die Epidemiologie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Erwachsenen ist wenig bekannt.
Ziele: Schätzung der Prävalenz und Korrelate von ADHS im Erwachsenenalter nach DSM-IV im Rahmen der World Mental Health Survey Initiative der Weltgesundheitsorganisation.
Methode: Ein ADHS-Screening wurde bei 18- bis 44-jährigen Befragten in zehn Ländern in Amerika, Europa und dem Nahen Osten durchgeführt (n=11.422). Bei 154 US-amerikanischen Befragten wurden verblindete klinische Neubewertungsinterviews zur Kalibrierung des Screenings durchgeführt. Multiple Imputation wurde eingesetzt, um Prävalenz und Korrelate unter der Annahme einer länderübergreifenden Vergleichbarkeit der Kalibrierung zu schätzen.
Ergebnisse: Die geschätzte ADHS-Prävalenz lag im Mittel bei 3,4 % (Bereich 1,2 %–7,3 %), mit niedrigerer Prävalenz in Ländern mit niedrigerem Einkommen (1,9 %) als in Ländern mit höherem Einkommen (4,2 %). ADHS im Erwachsenenalter tritt häufig gemeinsam mit anderen DSM-IV-Störungen auf und ist mit erheblichen Beeinträchtigungen der Rollenfunktion verbunden. Nur wenige Fälle werden wegen ADHS behandelt, in vielen Fällen erfolgt jedoch eine Behandlung komorbider Störungen.
Schlussfolgerungen: ADHS im Erwachsenenalter sollte in zukünftigen epidemiologischen und klinischen Studien stärker berücksichtigt werden, als dies derzeit der Fall ist.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen
Schlagwörter: ADHS im Erwachsenenalter, länderübergreifende Prävalenz, Korrelate, World Mental Health Survey Initiative
