Übereinstimmung zwischen Eltern und Lehrkräften bei ADHS-Symptomen im Entwicklungsverlauf

Megan E. Narad, Annie A. Garner, James L. Peugh, Leanne Tamm, Tanya N. Antonini, Kathleen M. Kingery (2014)

Psychological Assessment

Zusammenfassung

Die Übereinstimmung zwischen Eltern und Lehrkräften bei der Beurteilung von Symptomen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) reicht von gering bis moderat. Die meisten Studien zur Eltern-Lehrer-Übereinstimmung haben die Messinvarianz zwischen den Beurteilenden nicht untersucht. Daher ist unklar, ob Diskrepanzen zwischen Beurteilenden auf unterschiedliche ADHS-Konstrukte oder auf andere Faktoren wie subjektive Unterschiede zurückzuführen sind. Zudem ist der Einfluss der Entwicklung auf die Eltern-Lehrer-Übereinstimmung weitgehend unbekannt. Um diese Einschränkungen zu adressieren, nutzte die vorliegende Studie ADHS-Beurteilungen von Eltern und Lehrkräften aus einer großen (N = 6659), entwicklungsbezogen heterogenen Stichprobe (Alter 4–17 Jahre). Eine explorative Strukturgleichungsmodellierung an der Hälfte der Stichprobe und anschließend eine konfirmatorische Faktorenanalyse (CFA) an der anderen Hälfte bestätigten eine Zwei-Faktoren-Struktur mit signifikanten Kreuzladungen für die 18 ADHS-Symptome. CFA-Invarianzanalysen zeigten, dass die Zwei-Faktoren-Symptomstruktur über Beurteilende und Altersgruppen hinweg ähnlich war. Nach Bestätigung der Messinvarianz wurde für jede Altersgruppe und altersgruppenübergreifend die Korrelation zwischen latenten Faktoren innerhalb und zwischen Beurteilenden untersucht. Eltern berichteten eine stärkere Ausprägung von ADHS-Symptomen als Lehrkräfte; sowohl Eltern als auch Lehrkräfte berichteten bei jüngeren Kindern höhere Werte für Hyperaktivität/Impulsivität als bei älteren Kindern, während die Unaufmerksamkeit über die Entwicklung hinweg konstant blieb. Schließlich waren die Korrelationen zwischen Eltern- und Lehrerbeurteilungen entsprechender Faktoren für Unaufmerksamkeit schwach und für Hyperaktivität/Impulsivität moderat bis stark; das Ausmaß der Eltern-Lehrer-Übereinstimmung veränderte sich über die Entwicklung hinweg nicht. Zusammenfassend sind Eltern- und Lehrerbeurteilungen von ADHS-Verhalten nur schwach bis moderat korreliert, dennoch liefert jede beurteilende Person eigenständige und valide klinische Informationen zur Ausprägung der ADHS-Symptomatik.

Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik

Schlagwörter: Eltern-Lehrer-Übereinstimmung, Interrater-Übereinstimmung, ADHS-Symptome

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