Regulation von Traurigkeit durch Akzeptanz oder Unterdrückung bei Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
Swantje Matthies, Alexandra Philipsen, Helmut Karl Lackner, Chiharu Sadohara, Jennifer Svaldi (2014)
Psychiatry Research
Zusammenfassung
Emotionsdysregulation ist ein anerkanntes Symptom der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter. Ziel dieser Studie war es, bei Erwachsenen mit ADHS Traurigkeit zu induzieren und den Einfluss von Emotionsregulationsstrategien auf die Intensität der Traurigkeit und psychophysiologische Maße zu untersuchen. 36 Erwachsene mit diagnostizierter ADHS wurden nach dem Zufallsprinzip entweder der expressiven Unterdrückung (SUPP) oder der Akzeptanz (ACC) von Emotionen zugeteilt. Traurigkeit wurde mithilfe eines Filmausschnitts induziert. Die Teilnehmenden schätzten die Intensität der Traurigkeit und das Gefühl, von Emotionen überwältigt zu sein, vor (T1), unmittelbar nach (T2) und 2 Minuten nach dem Film (T3) ein. Zusätzlich wurden physiologische Maße erhoben. Die Induktion von Traurigkeit war in beiden Bedingungen wirksam. Das Gefühl, von Emotionen überwältigt zu sein, nahm in beiden Bedingungen zwischen T1 und T2 zu, hielt jedoch nur unter expressiver Unterdrückung bis T3 an, während unter Akzeptanz eine Abnahme beobachtet wurde. Bei ADHS scheint die expressive Unterdrückung von Traurigkeit mit einer verzögerten Erholung vom Gefühl emotionaler Überwältigung verbunden zu sein. Emotionsregulation durch Akzeptanz scheint dagegen eine schnellere Erholung zu ermöglichen. Nach unserem Wissen ist dies die erste Studie, die Unterdrückung als kritischen Vermittler zwischen einer induzierten Emotion und einer verzögerten Erholung von emotionalen Reaktionen bei Erwachsenen mit ADHS identifiziert.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Psychotherapie
Schlagwörter: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Emotionsregulation, Traurigkeit, Akzeptanz, expressive Unterdrückung
