Diagnose, Differentialdiagnose und komorbide Leiden der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter
Die Diagnose der ADHS im Erwachsenenalter ist eine Entscheidung, die ganz überwiegend auf klinischen Überlegungen beruht. Ein Testverfahren, mit dem ADHS festgestellt werden könnte, ist nicht verfügbar. Die diagnostischen Kriterien von DSM-IV und die darauf beruhende Konzeption der Diagnosen mit 4 ADHS-Typen – gemischte ADHS, ADHS mit vorwiegender Unaufmerksamkeit, ADHS mit vorwiegender Hyperaktivität und Impulsivität und ADHS in partieller Remission – hat sich international auch bei den Erwachsenen bewährt. Als spezielle diagnostische Lösung für Erwachsene stehen die Utah-Kriterien zur Verfügung. Bei der Untersuchung und Feststellung ADHS-verdächtiger Störungen hat sich der Einsatz von Selbstbeurteilungsskalen und Fremdrating-Instrumenten bewährt. Für die klinische Entscheidung, dass ADHS vorliegt, müssen neben der seit früher Kindheit erkennbaren Symptomatik, bestehend aus Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität, auch funktionelle Einschränkungen im Lebensalltag, subjektives Leiden und eine generelle Präsenz der Symptomatik in verschiedenen Lebensfeldern nachweisbar sein. Im Erwachsenenalter ist ADHS fast immer mit komorbiden Störungen assoziiert. Die wichtigsten komorbiden Störungen sind Suchtkrankheiten, Persönlichkeitsstörungen und affektive bzw. emotionale Störungsmuster.
