Vergleich der Wirksamkeit zweier unterschiedlicher retardierter Methylphenidatpräparate bei Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung unter Alltagsbedingungen

Ziel: Die Vergleichsstudie zur Wirksamkeit von Medikinet retard und Concerta war eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde Crossover-Studie, die bei 113 randomisierten Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (Alter 6–16 Jahre) die Wirkungen zweier unterschiedlicher retardierter Methylphenidatpräparate (Medikinet retard: 50 % sofortige Freisetzung [IR]; Concerta: 22 % IR) unter natürlichen Alltagsbedingungen über den Tagesverlauf verglich. Die Studiendauer pro Patient betrug drei Wochen.

Methoden: Primäre Ergebnisvariable war die deutsche Version der „Swanson, Kotkin, Agler, M-Flynn, and Pelham Scale“ in den ersten drei Schulstunden, beurteilt durch Lehrkräfte.

Ergebnisse: Medikinet retard mit einem höheren IR-Anteil als Concerta und äquivalenter Tagesdosis war Concerta überlegen (p = 0,0009). Medikinet retard mit einem morgens ähnlichen IR-Anteil wie Concerta, aber niedrigerer Tagesdosis, war hinsichtlich des primären Endpunkts gegenüber Concerta nicht unterlegen. Weitere explorative Analysen von Lehrer- und Elternbeurteilungen zu ADHS und externalisierenden Symptomen im Tagesverlauf ergaben bei äquivalenter Tagesdosis keine Hinweise auf eine Überlegenheit von Concerta gegenüber Medikinet retard.

Schlussfolgerung: Kinder und Jugendliche können mit einer niedrigeren Tagesdosis von Medikinet retard behandelt werden – bei einem ähnlichen IR-Anteil wie Concerta –, ohne dass sich während der Schulzeit eine klinisch relevante schlechtere Wirkung ergibt.

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