DSM-5

Zwangsstörungen im DSM-5 – Was ist neu?

Zwangsstörungen sind auch im Kindes- und Jugendalter häufige und beeinträchtigende Erkrankungen. Die vorliegende Arbeit fasst die Änderungen von DSM-IV-TR Kriterien zu DSM-5 zusammen und unterzieht diese einer kritischen Würdigung. Zentral sind Änderungen der kategorialen Zuordnung, Zwänge sind nun nicht mehr der Kategorie Angststörungen zugeordnet, sondern repräsentieren eine eigenständige Kategorie, die aber dafür ein weiter gespanntes Zwangsspektrum umfasst. Neben kleineren deskriptiven Änderungen der Kriterien wird die klinische Einschätzung der Einsichtsfähigkeit (gut, schlecht, fehlend) gefordert. Die Zwangsstörung, die komorbid mit Ticstörungen einhergeht, wird als eigener Subtyp klassifiziert. Die Änderungen werden im Folgenden auf Basis der Studienlage und Literatur diskutiert, danach folgt ein Ausblick hinsichtlich der Umsetzung der neuen Kriterien auf den klinischen Alltag und die Forschung.

Zwangsstörungen im DSM-5 – Was ist neu? Beitrag lesen »

Variabilität der Prävalenz von ADHS im Erwachsenenalter bei behandlungssuchenden Patienten mit Substanzkonsumstörung: Ergebnisse einer internationalen multizentrischen Studie zu DSM-IV- und DSM-5-Kriterien

Hintergrund: Verfügbare Studien unterscheiden sich erheblich in ihren Schätzungen zur Prävalenz der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Patienten mit Substanzkonsumstörung (SUD); die Angaben reichen von 2 bis 83 %. Ein besseres Verständnis möglicher Gründe für diese Variabilität sowie der Auswirkungen des Wechsels von DSM-IV zu DSM-5 ist erforderlich.

Methoden: Es wurde eine zweistufige internationale multizentrische Querschnittsstudie in 10 Ländern unter Patienten stationärer und ambulanter Suchthilfeeinrichtungen für Alkohol- und/oder Drogenkonsumstörungen durchgeführt. Insgesamt wurden 3558 behandlungssuchende SUD-Patienten auf ADHS im Erwachsenenalter gescreent. Eine Teilstichprobe von 1276 Personen mit sowohl positivem als auch negativem Screening nahm an einem strukturierten diagnostischen Interview teil.

Ergebnisse: Die Prävalenz von ADHS im Erwachsenenalter nach DSM-IV bzw. DSM-5 variierte nach DSM-IV von 5,4 % (95%-KI: 2,4–8,3) in Ungarn bis 31,3 % (95%-KI: 25,2–37,5) in Norwegen und nach DSM-5 von 7,6 % (95%-KI: 4,1–11,1) in Ungarn bis 32,6 % (95%-KI: 26,4–38,8) in Norwegen. Die Verwendung identischer Erhebungsverfahren in allen Ländern und Zentren verringerte die in früheren Studien unter SUD-Patienten berichtete Variabilität der ADHS-Prävalenz deutlich (2–83 % → 5,4–31,3 %). Die verbleibende Variabilität ließ sich teilweise durch die primär konsumierte Substanz und das Land (nordische vs. nichtnordische Länder) erklären. Die Prävalenzschätzungen nach DSM-5 waren geringfügig höher als nach DSM-IV.

Schlussfolgerungen: Angesichts der insgesamt hohen Prävalenz von ADHS im Erwachsenenalter sollten alle behandlungssuchenden SUD-Patienten gescreent und nach bestätigter Diagnose auch hinsichtlich ADHS behandelt werden, da die Literatur bei behandlungssuchenden SUD-Patienten mit ADHS auf eine ungünstige Prognose der Substanzkonsumstörung hinweist.

Variabilität der Prävalenz von ADHS im Erwachsenenalter bei behandlungssuchenden Patienten mit Substanzkonsumstörung: Ergebnisse einer internationalen multizentrischen Studie zu DSM-IV- und DSM-5-Kriterien Beitrag lesen »

Substanzgebrauchsstörung und nicht-substanzgebundene Süchte im DSM-5

Der Beitrag informiert über die Eingliederung der Suchtstörungen in die Fünfte Auflage des Diagnostischen und statistischenManuals psychischer Störungen (DSM-5) der American Psychiatric Association (APA). Eine DSM-5-Diagnose wird entlang einer Schweregrads-Dimension «Substanzgebrauchsstörung» (Substance Use Disorder) gestellt, wofür explizit operationalisierte diagnostische Kriterien vorgegeben sind. Als einzige «Verhaltenssucht» wurde die «Glücksspielstörung» (Gambling Disorder) in das DSM-5 aufgenommen, zusätzlich wurden vorläufige Kriterien für eine «Koffeingebrauchsstörung» (Caffeine Use Disorder) sowie für eine «Internetspielstörung » (Internet Gaming Disorder) definiert und in das Kapitel III (Störungsbilder, die weiterer Forschung bedürfen) integriert. Für die Versorgung suchtgefährdeter und süchtiger Kinder und Jugendlicher in Deutschland hätte eine Übernahme des Kriterienkataloges des DSM-5 weitreichende Folgen. Da die diagnostische Schwelle niedriger ist, würden mehr Patienten einen Behandlungsanspruch erhalten. Aus kinder- und jugendpsychiatrischer Sicht ist die damit verbundene Stärkung von Frühinterventionen bei den Suchtstörungen zu begrüßen. Die neuen Kapitel III-Diagnosen werden durch die erstmals vereinheitlichte Definition von diagnostischen Kriterien international vergleichbare Forschung stimulieren.

Substanzgebrauchsstörung und nicht-substanzgebundene Süchte im DSM-5 Beitrag lesen »

Störungen des Sozialverhaltens

Störungen des Sozialverhaltens (DSM: Conduct Disorder) sind sowohl durch aggressive (z. B. körperliche Auseinandersetzungen) als auch nicht-aggressive Verhaltensmerkmale (z. B. Missachtung von Regeln, Schuleschwänzen) gekennzeichnet. Aussagen hinsichtlich Prognose und Verlauf oder Behandlungsempfehlungen sind aufgrund der Heterogenität der Verhaltenssymptomatik meist nicht für die Gesamtgruppe der Patienten gültig. Als mögliches prognostisches Kriterium wurde bisher im DSM-IV einzig die Subtypisierung nach dem Störungsbeginn berücksichtigt. Die Evidenzgrundlage hierfür ist jedoch nicht eindeutig, und seit Erscheinen des DSM-IV im Jahre 1994 hat sich die empirische Befundlage zu Störungen des Sozialverhaltens beträchtlich erweitert. Für die Neuauflage des DSM-5 wurde die Berücksichtigung weiterer Kriterien diskutiert, insbesondere persönlichkeitsspezifischer Risikofaktoren, mädchenspezifischer Merkmale oder dimensionaler Beurteilungskriterien bzw. die Ergänzung eines auf die Kindheit beschränkten Subtyps (Moffitt et al., 2008). Jedoch sind die wesentlichen diagnostischen Kriterien im DSM-5 gleichgeblieben; eine entscheidende Änderung ist die nun mögliche Klassifikation eines CD specifiers with limited prosocial emotions. Die Frage, inwieweit die im DSM-5 vorgenommenen Modifikationen hilfreich sind, um den Anforderungen einer psychiatrischen Klassifikation gerecht zu werden, soll in diesem Beitrag auf der Basis der vorliegenden Evidenzgrundlage diskutiert werden.

Störungen des Sozialverhaltens Beitrag lesen »

DSM-5 – Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen

Die Modifikationen, die im DSM-5 bei den Kriterien für die Diagnose einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) vorgenommen wurden, werden vorgestellt und kritisch diskutiert. Die wichtigsten Veränderungen beziehen sich auf den Beginn der Symptomatik, die Reduktion der Anzahl der notwendigen Kriterien ab dem Alter von 17 Jahren und die Streichung von Autismusspektrumstörungen als Ausschlussdiagnose. Diese Veränderungen sind überwiegend zu begrüßen, bei der Heraufsetzung des Alters für den Störungsbeginn müssen jedoch auch problematische Aspekte bedacht werden.

DSM-5 – Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen Beitrag lesen »

Autismus-Spektrum-Störung: Definition von Dimensionen und Untergruppen

Die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) ist eine verhaltensdefinierte neurologische Entwicklungsstörung, die mit Defiziten der sozialen Kommunikation sowie eingeschränkten und repetitiven Verhaltensweisen verbunden ist. In der neuesten Konzeptualisierung der ASS stellen diese beiden Verhaltensdimensionen die zentralen definierenden Merkmale der ASS dar, während assoziierte Dimensionen wie intellektuelle und sprachliche Fähigkeiten eine Möglichkeit bieten, die Heterogenität der ASS zu beschreiben. Darüber hinaus trägt die Charakterisierung von ASS-Untergruppen, die durch das Vorliegen bekannter medizinischer, genetischer oder anderer psychiatrischer Störungen definiert sind, zu einem besseren Verständnis der Heterogenität der ASS bei. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die Geschichte des Autismus, beschreibt seine zentralen definierenden Merkmale und bietet eine Übersicht über klinisch und ätiologisch relevante Untergruppen, die zur Komplexität dieser Erkrankung beitragen.

Autismus-Spektrum-Störung: Definition von Dimensionen und Untergruppen Beitrag lesen »

Autismus-Spektrum Störung nach DSM-5 – Konzeptualisierung, Validität und Reliabilität, Bedeutung für Klinik, Versorgung und Forschung

Die Autismus-Spektrum Störung (ASS) wird in DSM-5 als eine Erkrankung aus den ICD-10 bzw. DSM-IV TRDiagnosen frühkindlicher Autismus, Asperger Syndrom und atypischer Autismus/PDD-nos zusammengefasst und weist entsprechend revidierte Kriterien auf. In dem vorliegenden Artikel werden diese Kriterien vergleichend dargestellt, Studien zu Validität und Reliabilität der neuen ASS-Diagnose präsentiert und offene Fragen diskutiert. Ein Ausblick auf die klinische und wissenschaftliche Bedeutung wird gegeben.

Autismus-Spektrum Störung nach DSM-5 – Konzeptualisierung, Validität und Reliabilität, Bedeutung für Klinik, Versorgung und Forschung Beitrag lesen »

Autism Mental Status Exam: Sensitivität und Spezifität unter Verwendung der DSM-5-Kriterien für Autismus-Spektrum-Störungen bei verbal flüssigen Erwachsenen

Die phänotypische Heterogenität von Erwachsenen mit Verdacht auf eine Autismus-Spektrum-Störung (ASS) erfordert einen standardisierten diagnostischen Ansatz, der in allen klinischen Settings praktikabel ist. Das Autism Mental Status Exam (AMSE) ist ein acht Items umfassendes Beobachtungsinstrument, das die Beobachtung und Dokumentation sozialer, kommunikativer und verhaltensbezogener Anzeichen und Symptome einer ASS strukturiert. Frühere Befunde weisen im Vergleich zur Autism Diagnostic Observation Schedule auf eine hohe Klassifikationsgenauigkeit in einer nicht stratifizierten Population von Hochrisikopatienten mit ASS-Verdacht hin. Dieses Protokoll untersucht Sensitivität und Spezifität der AMSE-Werte unter Anwendung der DSM-5-Kriterien für ASS in einer Stichprobe verbal flüssiger Hochrisiko-Erwachsener. Die Ergebnisse zeigen für diese Gruppe eine optimierte Sensitivität von 0,91 und eine Spezifität von 0,93. Aufgrund seines hohen klinischen Nutzens ist das AMSE ein vielversprechendes diagnostisches Instrument zur Unterstützung der klinischen ASS-Diagnose bei Hochrisiko-Erwachsenen.

Autism Mental Status Exam: Sensitivität und Spezifität unter Verwendung der DSM-5-Kriterien für Autismus-Spektrum-Störungen bei verbal flüssigen Erwachsenen Beitrag lesen »

Psychopathy

Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen Zusammenfassung. Das Konzept „Psychopathy“ wird in den letzten Jahren für das Kindes- und Jugendalter spezifiziert und bietet die Chance, Extremformen aggressiv-dissozialen Verhaltens zu beschreiben und zu klassifizieren. Erscheinungsformen, Prävalenzraten und Verlaufsstudien tragen dazu bei, dass die Aussagekraft des Konzepts für die klinische Praxis zunimmt. Die Tatsache, dass das DSM-V sich dieser Subgruppe annimmt, wird die Akzeptanz des Konzeptes und Forschungsaktivitäten intensivieren.

Psychopathy Beitrag lesen »

Psychometrische Analyse der neuen aus DSM-V abgeleiteten ADHS-Symptome

Hintergrund: Im Zuge der Vereinbarungen zur Neuformulierung und Überarbeitung der ADHS-Diagnosekriterien wurden in der vorgeschlagenen DSM-V-Revision kürzlich vier neue Symptome zum Bereich Hyperaktivität und Impulsivität hinzugefügt. Diese Studie untersucht die psychometrischen Eigenschaften der vorgeschlagenen ADHS-Diagnosekriterien. Methode: Die ADHS-Diagnose wurde gemäß DSM-IV gestellt. Die Eltern füllten den ADHS-Screeningtest der Child Symptom Inventory-4-Checkliste sowie die vier Items aus, die die neu vorgeschlagenen DSM-V-Symptome beschreiben. Ergebnisse: Die konfirmatorische Faktorenanalyse der aus DSM-V abgeleiteten ADHS-Items stützt die Ladung auf zwei Faktoren: Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität/Impulsivität. Die Items weisen eine ausreichende Reliabilität auf. Die konfirmatorische Faktorenanalyse zeigte jedoch, dass ein Drei-Faktoren-Modell besser passt als das Zwei-Faktoren-Modell. Zudem ergaben die explorativen Analysen Bedenken hinsichtlich der Faktorladungen der vier neuen Items. Schlussfolgerungen: Die aktuellen Ergebnisse stützen das Zwei-Faktoren-Modell der DSM-V-Diagnosekriterien für ADHS mit Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität/Impulsivität. Die vier neuen Items können jedoch als dritter Faktor betrachtet werden.

Psychometrische Analyse der neuen aus DSM-V abgeleiteten ADHS-Symptome Beitrag lesen »

Nach oben scrollen