Prävalenz

Variabilität der Prävalenz von ADHS im Erwachsenenalter bei behandlungssuchenden Patienten mit Substanzkonsumstörung: Ergebnisse einer internationalen multizentrischen Studie zu DSM-IV- und DSM-5-Kriterien

Hintergrund: Verfügbare Studien unterscheiden sich erheblich in ihren Schätzungen zur Prävalenz der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Patienten mit Substanzkonsumstörung (SUD); die Angaben reichen von 2 bis 83 %. Ein besseres Verständnis möglicher Gründe für diese Variabilität sowie der Auswirkungen des Wechsels von DSM-IV zu DSM-5 ist erforderlich.

Methoden: Es wurde eine zweistufige internationale multizentrische Querschnittsstudie in 10 Ländern unter Patienten stationärer und ambulanter Suchthilfeeinrichtungen für Alkohol- und/oder Drogenkonsumstörungen durchgeführt. Insgesamt wurden 3558 behandlungssuchende SUD-Patienten auf ADHS im Erwachsenenalter gescreent. Eine Teilstichprobe von 1276 Personen mit sowohl positivem als auch negativem Screening nahm an einem strukturierten diagnostischen Interview teil.

Ergebnisse: Die Prävalenz von ADHS im Erwachsenenalter nach DSM-IV bzw. DSM-5 variierte nach DSM-IV von 5,4 % (95%-KI: 2,4–8,3) in Ungarn bis 31,3 % (95%-KI: 25,2–37,5) in Norwegen und nach DSM-5 von 7,6 % (95%-KI: 4,1–11,1) in Ungarn bis 32,6 % (95%-KI: 26,4–38,8) in Norwegen. Die Verwendung identischer Erhebungsverfahren in allen Ländern und Zentren verringerte die in früheren Studien unter SUD-Patienten berichtete Variabilität der ADHS-Prävalenz deutlich (2–83 % → 5,4–31,3 %). Die verbleibende Variabilität ließ sich teilweise durch die primär konsumierte Substanz und das Land (nordische vs. nichtnordische Länder) erklären. Die Prävalenzschätzungen nach DSM-5 waren geringfügig höher als nach DSM-IV.

Schlussfolgerungen: Angesichts der insgesamt hohen Prävalenz von ADHS im Erwachsenenalter sollten alle behandlungssuchenden SUD-Patienten gescreent und nach bestätigter Diagnose auch hinsichtlich ADHS behandelt werden, da die Literatur bei behandlungssuchenden SUD-Patienten mit ADHS auf eine ungünstige Prognose der Substanzkonsumstörung hinweist.

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Hat die Häufigkeit elternberichteter Diagnosen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in Deutschland zwischen 2003–2006 und 2009–2012 zugenommen?

Internationale Studien berichteten in den vergangenen Jahren zum Teil erhebliche Zunahmen der Diagnosehäufigkeit von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS). Zahlen aus den Diagnosestatistiken von gesetzlichen Krankenkassen legen eine vergleichbare Entwicklung für Deutschland nahe. Ziel dieser Untersuchung war es, auf der Grundlage der Daten der bundesweit repräsentativen Studie „KiGGS Welle 1“ (2009–2012) die Lebenszeitprävalenz von elternberichteten ADHS-Diagnosen ihrer Kinder im Alter von 3 bis 17 Jahren zu untersuchen und den zeitlichen Trend im Vergleich zur KiGGS-Basiserhebung (2003–2006) zu berichten. Studienteilnehmende, deren Eltern berichteten, dass für ihr Kind jemals von einem Arzt oder Psychologen eine ADHS-Diagnose gestellt wurde, galten als ADHS-Fall. Darüber hinaus wurden Kinder und Jugendliche, die in der Elternbeurteilung einen Wert ≥ 7 ( clinical range) auf der Unaufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsskala des Strengths and Difficulties Questionnaires (SDQ) erreichten und für die von den Eltern keine ADHS-Diagnose berichtet wurde, als ADHS-Verdachtsfälle eingestuft. Die Prävalenz der ADHS in der KiGGS Welle 1 betrug 5,0 % (95 %-KI: 4,3–5,7), für Verdachtsfälle: 5,8 % (5,1–6,6). Für Jungen wurde mehr als viereinhalbmal so häufig eine ADHS-Diagnose berichtet wie für Mädchen, Kinder aus Familien mit niedrigem Sozialstatus waren mehr als zweieinhalbmal so häufig betroffen wie solche aus Familien mit hohem Sozialstatus. ADHS-Verdachtsfälle waren bei Jungen zweimal und bei Kindern aus Familien mit niedrigem Sozialstatus knapp dreimal häufiger. Die Lebenszeitprävalenz von ADHS- Diagnosen nahm mit dem Alter kontinuierlich zu und war am höchsten bei den 11- bis 17-Jährigen, Verdachtsfälle waren hingegen mit zunehmendem Alter weniger häufig. Bei etwa jedem fünften Kind mit der Diagnose ADHS wurde diese erstmalig im Alter von 6 Jahren gestellt, bei jedem elften bereits mit 5 Jahren. Insgesamt wurden gegenüber der KiGGS-Basiserhebung (2003–2006) keine statistisch signifikanten Veränderungen der Diagnosehäufigkeit für ADHS beobachtet. Die aus den Krankenkassendaten berichteten Zunahmen der ADHS-Diagnosehäufigkeit spiegeln sich damit in den Daten von KiGGS Welle 1 nicht wider.

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Ambulante Psychotherapie der Substanzstörungen: Erweiterte Möglichkeiten nach Änderung der Psychotherapierichtlinie 2011

Hintergrund: Die Psychotherapierichtliniennovelle 2011 erweitert die Behandlungsmöglichkeiten für Substanzstörungen in ambulanter Psychotherapie (AP).Ziel der Arbeit. Folgende Fragen sollten beantwortet werden: Wie häufig werden Substanzstörungen in AP behandelt? Welche Einstellungen haben niedergelassene psychologische Psychotherapeuten (PP) gegenüber den erweiterten Behandlungsmöglichkeiten?

Material und Methoden: In dieser Studie wurde die Häufigkeit der AP von Patienten mit Substanzstörungen [SUS; schädlicher Konsum, Missbrauch, Abhängigkeit von psychotropen Substanzen gemäß Diagnostischem und statistischem Manual psychischer Störungen (DSM-IV-TR) bzw. Internationaler statistischer Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10] durch niedergelassene PP sowie deren Einstellungen zur Behandlung von Patienten mit diesen Diagnosen untersucht. Hierzu wurden niedergelassene PP in 5 ostdeutschen Bundesländern postalisch befragt.

Ergebnisse: Von 1382 angeschriebenen PP beteiligten sich 229 (16,6%) an der Studie. Es behandelten 94,3% der antwortenden PP zumindest einen Patienten mit Substanzstörung (Vierwochenprävalenz; einschließlich Nikotinabhängigkeit). Diese Rate betrug je nach Substanz und Diagnose zwischen 3,1 und 26,6% (Substanzstörung als primärer Behandlungsanlass). Die höchsten Werte deutlicher Zustimmung zur AP mit etwa 20% fanden sich für Störungen durch Alkohol, Tabak und Medikamente.

Schlussfolgerungen: Die meisten PP sehen Patienten mit Substanzstörungen in AP. Dennoch ist ein weiterer Ausbau dieser Behandlungsangebote wünschenswert. Die Option zur Behandlung von SUS in AP sollte besser bekannt gemacht und ihre Nutzung z. B. mit Weiterbildungsangeboten unterstützt werden.

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Suchtartige Internetnutzung als komorbide Störung im jugendpsychiatrischen Setting – Prävalenz und psychopathologische Symptombelastung

Einleitung: Die exzessiv suchtartige Internetnutzung bei Kindern und Jugendlichen, welche sich in ähnlichen Symptomen äußern kann wie klassische Abhängigkeitserkrankungen, ist ein Phänomen, dem Wissenschaft und Praxis immer mehr Beachtung schenken. Prävalenzen von 3% unter Kindern und Jugendlichen deuten auf ein häufig vorkommendes Problem hin, das bei Betroffenen zu Funktionseinschränkungen führt und mit hohem Leidensdruck einhergeht. Ungeklärt ist, wie häufig Internetsucht unter Patienten jugendpsychiatrischer Einrichtungen auftritt. Methodik: Zur erstmaligen Bestimmung der Prävalenz von Internetsucht unter psychiatrisch behandelten Jugendlichen wurde ein standardisiertes Screening-Instrument (OSV-S) zur Klassifikation der Internetnutzung an 81 Patienten zwischen 8 und 17 Jahren eingesetzt. Eine weitere klinische Beschreibung erfolgte mittels des Youth Self-Reports und der Child Behavior Checkliste. Ergebnisse: 11.3% der Patienten erfüllten die Kriterien der Internetsucht. Diese Patienten haben ein höheres Durchschnittsalter und wiesen erhöhte Werte in Ängstlichkeit und Depressivität auf. Schlussfolgerungen: Diese Pilotstudie verdeutlicht, dass in jugendpsychiatrischen Einrichtungen komorbide Internetsucht häufig vorkommt. Patienten mit komorbider Internetsucht zeichnen sich durch spezifische Symptombelastungen aus. Eine gezielte störungsspezifische Psychotherapie ist zu diskutieren.

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Prävalenz, Inzidenz und Stimulanziengebrauch bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung in Taiwan, 1996–2005: eine nationale populationsbasierte Studie

Zweck: Wir nutzten die Datenbank der National Health Insurance (NHI), um Prävalenz, Inzidenz und Stimulanziengebrauch bei diagnostizierter Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in Taiwan zu untersuchen.

Methoden: Das National Health Research Institute stellte eine Datenbank mit 1.000.000 zufällig ausgewählten Personen für die Studie bereit. Als dynamische Kohorte wurde eine populationsbasierte Zufallsstichprobe von 372.642 Patienten unter 18 Jahren gewonnen. Identifiziert wurden diejenigen Studienteilnehmer, die zwischen 1996 und 2005 mindestens eine Leistungsabrechnung mit ADHS als Hauptdiagnose aufwiesen.

Ergebnisse: Die kumulative Prävalenz einer ADHS-Diagnose stieg von 0,06 auf 1,64 % zwischen 1996 und 2005. Die jährliche Inzidenz einer ADHS-Diagnose stieg von 0,02 auf 0,34 % zwischen 1997 und 2005. Die höchsten Inzidenzraten einer ADHS-Diagnose fanden sich sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen in der Altersgruppe von 6 bis 11 Jahren. Eine höhere Inzidenz wurde bei männlichen Personen (HR 3,76, 95%-KI 3,48–4,07), bei Personen aus der nördlichen Region (HR 1,35, 95%-KI 1,07–1,71) und aus städtischen Gebieten (HR 1,53, 95%-KI 1,40–1,66) festgestellt. Der Anteil der Stimulanzienanwendung bei Kindern mit ADHS-Diagnose stieg von 39,6 auf 54,0 % zwischen 1997 und 2005.

Schlussfolgerungen: Unsere Befunde deuten auf steigende Prävalenz- und Inzidenzraten von ADHS-Diagnosen in Taiwan hin, was mit Studien aus westlichen Ländern übereinstimmt. Die Prävalenz von ADHS-Diagnosen im NHI-Programm war jedoch weiterhin deutlich niedriger als in populationsbezogenen Studien. Auch der Anteil der Stimulanzienanwendung bei Kindern mit ADHS-Diagnose zeigt einen zunehmenden Trend, der weiterer Untersuchung bedarf.

Prävalenz, Inzidenz und Stimulanziengebrauch bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung in Taiwan, 1996–2005: eine nationale populationsbasierte Studie

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Prävalenz und Korrelate von ADHS im Erwachsenenalter in den Vereinigten Staaten: Ergebnisse der National Comorbidity Survey Replication

Ziel: Trotz zunehmenden Interesses an der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter ist über ihre Prävalenz und Korrelate wenig bekannt.

Methode: Ein Screening auf ADHS im Erwachsenenalter wurde in eine probabilistische Teilstichprobe (N = 3199) von 18- bis 44-jährigen Befragten der National Comorbidity Survey Replication aufgenommen, einer national repräsentativen Haushaltsbefragung, bei der mithilfe eines von geschulten Laien durchgeführten diagnostischen Interviews ein breites Spektrum von DSM-IV-Störungen erfasst wurde. Bei 154 Befragten wurden verblindete klinische Nachuntersuchungsinterviews zur ADHS im Erwachsenenalter durchgeführt, wobei Personen mit positivem Screening überrepräsentiert waren. Mittels multipler Imputation wurden Prävalenz und Korrelate der klinisch beurteilten ADHS im Erwachsenenalter geschätzt.

Ergebnisse: Die geschätzte Prävalenz einer aktuellen ADHS im Erwachsenenalter betrug 4,4 %. Signifikante Korrelate waren männliches Geschlecht, frühere Ehe, Arbeitslosigkeit und nicht-hispanisch weiße ethnische Zugehörigkeit. ADHS im Erwachsenenalter war stark komorbid mit vielen anderen in der Befragung erfassten DSM-IV-Störungen und mit erheblichen Beeinträchtigungen der Rollenfunktion verbunden. Die Mehrzahl der Fälle war unbehandelt, obwohl viele Personen wegen anderer komorbider psychischer und substanzbezogener Störungen eine Behandlung erhalten hatten.

Schlussfolgerungen: Es sind Anstrengungen erforderlich, um die Erkennung und Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter zu verbessern. Forschung sollte klären, ob eine wirksame Behandlung das Auftreten, Fortbestehen und die Schwere gemeinsam mit ADHS im Erwachsenenalter auftretender Störungen verringert.

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Prävalenz und Korrelate von ADHS bei Erwachsenen in den Vereinigten Staaten: Ergebnisse der National Comorbidity Survey Replication

Ziel: Trotz des wachsenden Interesses an der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Erwachsenen ist wenig über ihre Prävalenz oder Korrelate bekannt.

Methode: Ein Screening auf ADHS im Erwachsenenalter wurde in einer probabilistischen Teilstichprobe (N = 3.199) von 18- bis 44-jährigen Befragten der National Comorbidity Survey Replication durchgeführt, einer national repräsentativen Haushaltsbefragung, in der ein von Laien durchgeführtes diagnostisches Interview zur Erfassung eines breiten Spektrums von DSM-IV-Störungen eingesetzt wurde. Verblindete klinische Follow-up-Interviews zu ADHS im Erwachsenenalter wurden mit 154 Befragten durchgeführt, wobei Personen mit positivem Screening-Ergebnis überrepräsentiert waren. Mithilfe multipler Imputation wurden Prävalenz und Korrelate klinisch beurteilter ADHS im Erwachsenenalter geschätzt.

Ergebnisse: Die geschätzte Prävalenz aktueller ADHS im Erwachsenenalter betrug 4,4 %. Signifikante Korrelate waren männliches Geschlecht, eine frühere Ehe, Arbeitslosigkeit und nicht-hispanische weiße ethnische Zugehörigkeit. ADHS im Erwachsenenalter wies eine hohe Komorbidität mit vielen anderen in der Befragung erfassten DSM-IV-Störungen auf und war mit erheblichen Beeinträchtigungen in der Rollenfunktion verbunden. Die Mehrheit der Fälle war unbehandelt, obwohl viele Personen wegen anderer komorbider psychischer und substanzbezogener Störungen behandelt worden waren.

Schlussfolgerungen: Es sind Anstrengungen erforderlich, um die Erkennung und Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter zu verbessern. Forschung ist notwendig, um zu klären, ob eine wirksame Behandlung das Auftreten, die Persistenz und den Schweregrad von Störungen verringern würde, die gemeinsam mit ADHS im Erwachsenenalter auftreten.

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