Risikofaktoren

Risikokonstellationen in der frühen Kindheit: Auswirkungen biologischer und psychologischer Vulnerabilitäten sowie psychosozialer Stressoren auf kindliche Entwicklungsverläufe

Risikofaktoren in der frühen Kindheit beeinflussen die kindliche Entwicklung sowohl kurz- als auch langfristig. In der Risikoforschung unterscheidet man zwischen Vulnerabilitäten, den biologischen Prädispositionen und psychologischen Merkmalen des Kindes und Stressoren, den psychosozialen Bedingungen der Umwelt, die im vorliegenden Beitrag im Einzelnen beschrieben und in ihrer Wirksamkeit bewertet werden. Die Forschung zeigt, dass als Annäherung zur Einschätzung der kindlichen Risikobelastung am ehesten die Anzahl der das Kind umgebenden Risikofaktoren herangezogen werden kann. Entwicklungsschädigend wirken dabei vor allem bestimmte Konstellationen von kumulierten, lang andauernden Risikofaktoren, wobei die Qualität der Eltern–Kind-Beziehung sowie der Anregungsgrad der (häuslichen) Umgebung einen direkten Einfluss auf die kindliche Entwicklung haben. Interventionen zur Abpufferung von Risikofaktoren und gleichzeitige Stärkung von Ressourcen sollten daher möglichst frühzeitig ansetzen, langfristig angelegt sein und für ein verlässliches Beziehungsangebot innerhalb und/oder außerhalb der Familie sorgen.

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Störungen des Sozialverhaltens bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Aggressives Verhalten tritt bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund nach groß angelegten nationalen Schülerbefragungen häufiger auf. Die vorliegende empirische Studie umfasst 779 behandelte Jugendliche mit unterschiedlichen psychosozialen Belastungen wie Aggressionen, Depressionen oder ängsten der institutionellen psychiatrischen Einrichtungen des Klinikverbundes Bremen aus dem Jahr 2010 und analysiert 185 Jugendliche mit einer Diagnose im Bereich der F91 oder F92 nach ICD-10. Es wird deutlich, dass im Verhältnis zur Bevölkerungsstruktur Jugendliche mit Migrationshintergrund durch die psychiatrische Versorgung noch nicht ausreichend erreicht werden. Binäre logistische Regressionsanalysen zeigen auf, dass ein Migrationshintergrund kein Prädiktor für eine Störung des Sozialverhaltens darstellt. Bedeutsame Einflussfaktoren einer Störung des Sozialverhaltens sind bei den behandelten Jugendlichen ein männliches Geschlecht, ein niedriger Bildungsstatus der Eltern, ein unangemessener elterlicher Erziehungsstil, eine unzureichende psychosoziale Anpassung, die Anzahl psychosozialer Belastungsfaktoren und chronischer schulischer Stress.

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Risikofaktoren und frühe Vorläufersymptome der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Einer ADHS liegen in der Regel multiple miteinander interagierende Faktoren zugrunde. Zu den Risikofaktoren zählen neben genetischen Faktoren auch verschiedene Umwelteinflüsse wie sozioökonomische Risiken oder mütterlicher Substanzkonsum. Diese Umwelteinflüsse können jedoch teilweise auch Ausdruck einer entsprechenden genetischen Prädisposition der Eltern für eine ADHS darstellen, sodass eine klare Trennung zwischen genetischen und umweltbedingten Einflüssen auf die Entstehung der ADHS nur begrenzt möglich und sinnvoll ist. Da der Störung ein komplexes Zusammenspiel multipler voneinander unabhängiger Risikofaktoren zugrunde liegt, wird ADHS inzwischen eher im Sinne einer Dimension denn im Sinne einer Kategorie verstanden. Im Rahmen dieser Arbeit soll ein Überblick über die neuesten Erkenntnisse bezüglich Risikofaktoren und Vorläufersymptomen von ADHS gegeben werden.

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Risikofaktoren für autistische Symptome bei Kindern mit ADHS

Autistische Symptome werden bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) häufig beobachtet, ihre Ätiologie ist jedoch weiterhin unklar. Hauptziel dieser Studie war es, Risikofaktoren für verstärkte autistische Symptome bei Kindern mit ADHS ohne Diagnose von Autismus oder einer Autismus-Spektrum-Störung zu beschreiben. Bei 205 Kindern mit ADHS wurden komorbide psychiatrische Störungen, Entwicklungsverzögerungen, aktuelle Medikation, pränatale biologische und postnatale psychosoziale Risikofaktoren sowie autistische Merkmale der Eltern erfasst. Lineare Regressionsmodelle identifizierten autistische Merkmale der Mutter, aktuelle familiäre Risikofaktoren und hyperaktive Symptome als Prädiktoren autistischer Symptome bei Kindern mit ADHS. Die Befunde weisen auf mögliche genetische sowie umweltbedingte Risikofaktoren hin, die autistische Symptome bei Kindern mit ADHS vermitteln. Eine zusätzliche Validitätsanalyse mittels ROC und Fläche unter der Kurve (AUC) legte einen Grenzwert von 11 im Social Communication Questionnaire (SCQ) zur Unterscheidung zwischen ADHS und hochfunktionaler ASS nahe.

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