Emotionale Labilität: Der diskriminative Wert bei der Diagnose der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung im Erwachsenenalter
Ziel: Ziel dieser Studie ist es, den diskriminativen Wert emotionaler Labilität (EL) bei der Diagnose von Erwachsenen mit ADHS zu beurteilen.
Methoden: Eine Gruppe von Erwachsenen, die die DSM-IV-Diagnosekriterien für ADHS erfüllten (n = 589), eine klinische Kontrollgruppe (n = 138) und eine Kontrollgruppe aus der Allgemeinbevölkerung (n = 98) wurden hinsichtlich ihrer EL-Werte verglichen. Zur Auswahl der Probanden wurden SCID-I, SCID-II und CAADID eingesetzt. Zur Beurteilung der EL wurde die spezifische EL-Subskala der Conners Adult ADHD Rating Scale (CAARS) verwendet.
Ergebnisse: Zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen EL, ADHS und Komorbidität wurde eine Kovarianzanalyse durchgeführt. Sowohl der Gruppenfaktor (ADHS-, klinische oder Bevölkerungsgruppe) als auch der Komorbiditätsfaktor (Vorliegen oder Fehlen anderer psychiatrischer Störungen als ADHS) zeigten einen signifikanten Einfluss auf die Intensität der EL (Gruppe: F = 81,78, p = 0,000; Komorbidität: F = 25,48, p = 0,000). Für die Interaktion Gruppe × Komorbidität fanden sich jedoch keine signifikanten Unterschiede (F = 1,006, p = 0,366). EL zeigte bei der Unterscheidung zwischen ADHS-Patienten und Personen mit anderen psychiatrischen Störungen eine Sensitivität von 87,1 % und eine Spezifität von 46,6 %.
Schlussfolgerung: EL steht spezifisch mit ADHS in Zusammenhang, und dieser Zusammenhang lässt sich nicht durch das Vorliegen anderer psychiatrischer Störungen erklären. Komorbide Störungen sind lediglich mit einer höheren Intensität der EL verbunden.
