Sprachdefizit bei Aufmerksamkeitsdefizitstörung: Eine häufige Komorbidität
E. Tirosh & A. Cohen (1998)
Journal of Child Neurology 13(10), 493-497
Zusammenfassung
Ziel dieser Studie war es, die Prävalenz und Verhaltensmuster von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit und Sprachproblemen im Vergleich zu Kindern mit ausschließlich Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zu beschreiben. Aus einer Kohorte von 3208 Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren wurden 5,2 % mit einer primären ADHS identifiziert. Eingesetzt wurden ein Lehrerfragebogen zum Verhalten, pädiatrisches Interview und Untersuchung, IQ-Testung, Aufmerksamkeitstests und Sprachdiagnostik. Bei 45 % wurden Sprachprobleme festgestellt. Diese Komorbidität war bei Mädchen häufiger (P = .02). Sequenzierungsfähigkeit und Kurzzeitgedächtnis standen signifikant mit Aufmerksamkeitsdefizit und Sprachproblemen in Zusammenhang, die Aufmerksamkeitswerte hingegen nicht. Die Sprachleistung war der beste Prädiktor für die Gruppenzuordnung und dem IQ in dieser Hinsicht überlegen. Korrelationsanalysen zeigten unterschiedliche Verhaltensmuster für die beiden Gruppen. Offenbar weist ein erheblicher Anteil der Kinder mit ADHS eine sprachliche Komorbidität auf, die sich in IQ-Untersuchungen nicht widerspiegelt; daher sollten Sprachtests als Bestandteil der Routinediagnostik erwogen werden. Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit und Sprachproblemen scheinen gegenüber Gleichaltrigen mit ausschließlich ADHS ein anderes neurokognitives Muster aufzuweisen.
Kategorien: Teilleistungsstörungen
Schlagwörter: ADHS, Sprachdefizit, Aufmerksamkeitsdefizitstörung, Komorbidität
