Die medikamentöse Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung im Kindes- und Jugendalter mit Amphetaminpräparaten

J. Frölich, T. Banaschewski, R. Spanagel, M. Döpfner & G. Lehmkuhl (2012)

Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 40(5), 287-300

Zusammenfassung

Einleitung: Die wichtigsten Psychostimulanzien in der Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung stellen Methylphenidat und Amphetaminsalze dar.

Fragestellung: In der vorliegenden Arbeit werden die pharmakologischen Charakteristika von Amphetaminpräparaten zusammengefasst. Außerdem werden die Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen im Vergleich zu Methylphenidat erläutert.

Methodik: Die Arbeit basiert auf einer Medline-Recherche. Eingang fanden kontrollierte Studien und Metaanalysen zwischen 1980 und 2011. Verwendete Suchwörter waren Amphetamin, Amphetaminsalze, Lisdexamphetamin, kontrollierte Studien und Metaanalysen.

Ergebnisse und Diskussion: Amphetaminpräparate weisen gegenüber Methylphenidat einige pharmakologische Besonderheiten auf, indem sie neben der Dopamin-Wiederaufnahmehemmung auch die Freisetzung von Dopamin und Noradrenalin bewirken. Die klinische Wirksamkeit von Amphetaminpräparaten ist so gut wie die von Methylphenidat und das Nebenwirkungsspektrum als vergleichbar einzuschätzen. Bei ausbleibender Therapieresponse auf Methylphenidat kann vor dem Übergang auf eine Substanz zweiter Wahl durch den Einsatz eines Amphetaminpräparates die Ansprechrate auf Psychostimulanzien optimiert werden. Da potentiell bei nicht vorgeschriebener Einnahme im Erwachsenenalter eine erhöhte Missbrauchsgefahr von herkömmlichen Amphetaminpräparaten feststellbar ist, könnte darüber hinaus dem Propharmakon Lisdexamphetamin eine wichtige Bedeutung zukommen aufgrund einer robusten klinischen Wirksamkeit, eines besseren Wirkprofils und möglicherweise geringeren Missbrauchsgefahren. Schlussfolgerungen: Amphetaminpräparate sind eine wichtige Ergänzung zu Methylphenidat in der Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung. Unklarheit besteht derzeit über eine differentielle Behandlungsindikation in Abhängigkeit der Symptomkonstellation und möglicher Komorbiditäten.

Kategorien: Medikamente

Schlagwörter: Amphetamin, Lisdexamphetamin, Methylphenidat, klinische Effekte, Missbrauch

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