Nichtpharmakologische Interventionen bei ADHS: Systematische Übersicht und Metaanalysen randomisierter kontrollierter Studien zu diätetischen und psychologischen Behandlungen

E. J. S. Sonuga-Barke, D. Brandeis, S. Cortese, et al. (2013)

Am J Psychiatry 2013; 170:275–289

Zusammenfassung

Ziel: Für die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) stehen nichtpharmakologische Behandlungen zur Verfügung, deren Wirksamkeit jedoch unklar bleibt. Die Autoren führten Metaanalysen zur Wirksamkeit diätetischer (restriktive Eliminationsdiäten, Ausschluss künstlicher Lebensmittelfarbstoffe und Supplementierung freier Fettsäuren) und psychologischer (kognitives Training, Neurofeedback und Verhaltensinterventionen) ADHS-Behandlungen durch.

Methode: Mithilfe einer gemeinsamen systematischen Suche und einer strengen Kodierungs- und Datenextraktionsstrategie über alle Bereiche hinweg durchsuchten die Autoren elektronische Datenbanken nach publizierten randomisierten kontrollierten Studien, die Personen mit diagnostizierter ADHS (oder Personen, die einen validierten Grenzwert auf einer anerkannten Bewertungsskala erreichten) einschlossen und ein ADHS-bezogenes Outcome enthielten.

Ergebnisse: Vierundfünfzig der 2.904 nach Entfernung von Duplikaten gesichteten Datensätze wurden in die Analysen aufgenommen. Es wurden zwei unterschiedliche Analysen durchgeführt. Wenn das Outcome auf ADHS-Beurteilungen durch Rater beruhte, die dem therapeutischen Setting am nächsten standen, zeigten alle diätetischen (standardisierte Mittelwertdifferenzen = 0,21–0,48) und psychologischen (standardisierte Mittelwertdifferenzen = 0,40–0,64) Behandlungen statistisch signifikante Effekte. Wurde jedoch die jeweils bestmöglich vermutlich verblindete Beurteilung verwendet, blieben die Effekte für die Supplementierung freier Fettsäuren (standardisierte Mittelwertdifferenz = 0,16) und den Ausschluss künstlicher Lebensmittelfarbstoffe (standardisierte Mittelwertdifferenz = 0,42) signifikant, waren bei den anderen Behandlungen jedoch deutlich abgeschwächt und nicht mehr signifikant.

Schlussfolgerungen: Die Supplementierung freier Fettsäuren führte selbst bei vermutlich verblindeten Beurteilungen zu kleinen, aber signifikanten Reduktionen der ADHS-Symptome, wobei die klinische Bedeutung dieser Effekte noch geklärt werden muss. Der Ausschluss künstlicher Lebensmittelfarbstoffe zeigte größere Effekte, allerdings häufig bei Personen, die aufgrund von Nahrungsmittelsensitivitäten ausgewählt worden waren. Für Verhaltensinterventionen, Neurofeedback, kognitives Training und restriktive Eliminationsdiäten sind bessere Wirksamkeitsnachweise aus verblindeten Beurteilungen erforderlich, bevor sie als Behandlungen der ADHS-Kernsymptome unterstützt werden können.

Kategorien: Kognitives Training, Therapie

Schlagwörter: ADHS-Behandlung, nichtpharmakologische Interventionen, restriktive Eliminationsdiäten, Ausschluss künstlicher Lebensmittelfarbstoffe und Supplementierung freier Fettsäuren, kognitives Training, Neurofeedback, Verhaltensinterventionen

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