Mädchen mit Störungen des Sozialverhaltens
T. D. Vloet, N. Großheinrich, K. Konrad, C. Freitag & B. Herpertz-Dahlmann (2014)
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 42(2), 95-108
Zusammenfassung
Während Studien zur Störung des Sozialverhaltens (Conduct Disorder; CD) in der Vergangenheit fast ausschließlich mit Jungen durchgeführt wurden, sind in den letzten Jahren betroffene Mädchen zunehmend in den Fokus des wissenschaftlichen Interesses gerückt. In dieser Übersicht werden die aktuellen Befunde zur Prävalenz und zu geschlechtsspezifischen Unterschieden hinsichtlich Symptomatik (einschließlich Subtypen aggressiven Verhaltens und psychopathischer Eigenschaften (callous-unemotional (cu)-traits)) dargestellt. Anhand von Befunden zum vegetativen und neuroendokrinen Stresssystem sowie neurokognitiven und genetischen Daten sowie Bildgebungsbefunden werden neurobiologische Differenzen und weitere Unterschiede im Hinblick auf den Einfluss von Umweltfaktoren aufgezeigt. Insgesamt zeigt sich eine große Überlappung der klinischen Symptomatik, von Persönlichkeitsmerkmalen und neurobiologischen Veränderungen bei Jungen und Mädchen mit CD. Größere systematische Untersuchungen zu Mädchen mit CD sind dringend notwendig und könnten zu einem besseren Verständnis dissozialer Entwicklung beitragen. Da Mädchen seltener eine CD-Symptomatik zeigen, könnten solche Studien z. B. helfen, Resilienzfaktoren zu identifizieren, die therapeutische Interventionen möglicher Weise optimieren könnten.
Kategorien: Störung des Sozialverhaltens
Schlagwörter: Conduct disorder, Mädchen, Aggression, cu-traits, Neurobiologie
