Methylphenidat und Impulsivität: Vergleich der Effekte von Methylphenidat-Enantiomeren auf die zeitliche Belohnungsabwertung bei Ratten
Jonathan M. Slezak, George A. Ricaurte, Ronald J. Tallarida, Jonathan L. Katz (2013)
Psychopharmacology 231(1), 191-198
Zusammenfassung
Begründung: Aktuelle Methylphenidat-(MPH-)Formulierungen zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) führen zu deutlich unterschiedlicher Bioverfügbarkeit der MPH-Enantiomere. Daytrana®, ein transdermales dl-MPH-Pflastersystem, erzeugt höhere l-MPH-Spiegel als die orale Gabe von dl-MPH (z. B. Ritalin®). Eine mögliche Einschränkung erhöhter l-MPH-Spiegel wurde in einer präklinischen Studie aufgezeigt, wonach l-MPH die Wirkungen von d-MPH abschwächen könnte.
Ziele: Ziel der Studie war es, die Wechselwirkungen zwischen den MPH-Enantiomeren zu untersuchen, indem (1) Arzneimittelwirkungen anhand eines präklinischen Modells von „Impulsivität“ bewertet und (2) eine quantitative Analyse der Dosisäquivalenz der Enantiomerinteraktionen durchgeführt wurde.
Methoden: Sprague-Dawley-Ratten wurden darauf trainiert, eine von zwei Reaktionen auszuführen: eine führte unmittelbar zu einem Futterpellet, die andere zu vier Pellets, die nach zunehmend längeren Verzögerungen (0, 8 und 32 s) verabreicht wurden. Der prozentuale Anteil der Wahl der größeren Futtermenge wurde in Abhängigkeit von der Verzögerung dargestellt und die Fläche unter der Kurve (AUC) bestimmt. Eine Zunahme der AUC entspricht einer Abnahme der „Impulsivität“ (d. h. einer geringeren Wahl der kleineren sofortigen gegenüber der größeren verzögerten Verstärkung).
Ergebnisse: Die systemische Gabe von dl-MPH und d-MPH erhöhte die AUC dosisabhängig, während l-MPH, Morphin und Pentobarbital die AUC nicht veränderten. Eine auf Dosisäquivalenz beruhende Analyse zeigte, dass dl-MPH additive Effekte hervorbrachte, die nicht von den aus den separat verabreichten Enantiomeren vorhergesagten Effekten abwichen.
Schlussfolgerungen: Die vorliegenden Ergebnisse zeigen pharmakologisch selektive Effekte, da nur zur Behandlung von ADHS-Symptomen verordnete Substanzen ein Maß der „Impulsivität“ verringerten. Zudem schwächt oder verstärkt l-MPH die Wirkungen von d-MPH in der vorliegenden Aufgabe zur zeitlichen Belohnungsabwertung wahrscheinlich nicht.
Kategorien: Medikamente
Schlagwörter: Methylphenidat, Psychostimulanzien, zeitliche Belohnungsabwertung, Impulsivität, Enantiomere, Dosisäquivalenz, ADHS, Ratte
