Aktivität des Default-Mode-Netzwerks bei männlichen Jugendlichen mit Störung des Sozialverhaltens und Substanzkonsumstörung

Manish S. Dalwani, Jason R. Tregellas, Jessica R. Andrews-Hanna, Susan K. Mikulich-Gilbertson, Krist (2014)

Drug and Alcohol Dependence 134, 242-250

Zusammenfassung

Hintergrund: Jugendliche mit Störung des Sozialverhaltens (CD) und Substanzkonsumstörungen (SUD) haben Schwierigkeiten, ihr Verhalten im Hinblick auf zukünftige Konsequenzen zu bewerten und zu regulieren. Angesichts der Rolle des Default-Mode-Netzwerks (DMN) des Gehirns bei Selbstreflexion und zukunftsbezogenem Denken untersucht diese Studie, ob das DMN bei Jugendlichen mit CD und SUD im Vergleich zu Kontrollen verändert ist.

Methoden: Zwanzig männliche Jugendliche mit CD und SUD sowie 20 altersähnliche männliche Kontrollpersonen wurden während einer risikobezogenen Entscheidungsaufgabe funktionell magnetresonanztomografisch untersucht. Als datengetriebenen Ansatz verwendeten wir eine unabhängige Komponentenanalyse, um bei den einzelnen Probanden die räumliche DMN-Komponente zu identifizieren. Anschließend wurde die DMN-Aktivität zwischen den Gruppen verglichen.

Ergebnisse: Im Vergleich zu Kontrollen zeigten die Patienten eine verminderte Aktivität im oberen, medialen und mittleren Frontallappen (Brodmann-Areal [BA] 10), im retrosplenialen Kortex (BA 30), im Gyrus lingualis (BA 18) sowie beidseits im mittleren Temporalgyrus (BA 21/22) – DMN-Regionen, denen Funktionen bei selbstbezogener Bewertung, Gedächtnis, Vorausschau und Perspektivübernahme zugeschrieben werden. Dieses Muster verminderter Aktivität bei den Patienten blieb auch nach Adjustierung für die Effekte von Depression und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) robust. Ohne Adjustierung für Depression und ADHS zeigten Patienten gegenüber Kontrollen dagegen ausschließlich im Cuneus (BA 19) eine höhere DMN-Aktivität.

Schlussfolgerungen: Insgesamt deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass komorbide CD und SUD bei Jugendlichen durch eine atypische Aktivität in Hirnregionen gekennzeichnet sind, die vermutlich eine wichtige Rolle bei introspektiver Verarbeitung spielen. Diese funktionellen Ungleichgewichte in Hirnnetzwerken könnten weitere Einblicke in die neuronalen Grundlagen von Störungen des Sozialverhaltens und Substanzkonsumstörungen geben.

Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Störung des Sozialverhaltens, Sucht

Schlagwörter: Default-Mode-Netzwerk, Störung des Sozialverhaltens, Substanzkonsumstörung, unabhängige Komponentenanalyse, funktionelle MRT

This publication in English

Nach oben scrollen