Methylphenidat (MPH) fördert bei gesunden Erwachsenen die Aktivierung des visuellen Kortex in einer reizgesteuerten visuomotorischen Aufgabe
Yordan Hodzhev, Juliana Yordanova, Martin Diruf, Oliver Kratz, Gunter H. Moll, Vasil Kolev, Hartmut (2012)
Journal of Neural Transmission 119(11), 1455-1464
Zusammenfassung
Die Suche nach Mechanismen, durch die Methylphenidat (MPH) das Verhalten verbessert, hat gezeigt, dass MPH die Erregbarkeit im primären motorischen Kortex moduliert. Über den Einfluss von MPH auf top-down-gesteuerte Mechanismen im sensorischen Bereich ist jedoch wenig bekannt. Die vorliegende Studie untersuchte in einem doppelblinden, placebokontrollierten Crossover-Design die Effekte von MPH auf die Aktivierung visueller Kortizes bei gesunden Erwachsenen, die eine Hinweisreiz-gesteuerte visuomotorische Aufgabe ausführten. Zwei unterschiedliche Maße, posteriore Alpha-Leistung und okzipitale langsame kortikale Potenziale (SCP), wurden verwendet, um eine Zunahme der Erregbarkeit bzw. eine aufmerksamkeitsbasierte Aktivierung visueller Kortexareale abzubilden. Den Ergebnissen zufolge wurden Leistungsparameter (Reaktionszeit, Antwortvarianz und Fehlerrate) durch MPH nicht beeinflusst. Auf neurophysiologischer Ebene, abgebildet durch verringerte Alpha-Leistung, erhöhte MPH die allgemeine Erregbarkeit des okzipitalen, nicht jedoch des parietalen Kortex. Vor der durch den Hinweisreiz ausgelösten Reaktion verringerte MPH die Alpha-Leistung und erhöhte SCPs ausschließlich vor Reaktionen der rechten Hand, überwiegend an der rechten okzipitalen Ableitposition. Daraus lässt sich schließen, dass MPH bei visuomotorischen Aufgaben das grundlegende Gleichgewicht von Erregung und Hemmung in visuellen Arealen anpassen kann. Darüber hinaus kann MPH die aufmerksamkeitsgesteuerte Aktivierung visueller Kortexregionen erhöhen, insbesondere bei gesteigerten Anforderungen an die Reaktionskontrolle.
Kategorien: ADHS Allgemein, Medikamente
Schlagwörter: Methylphenidat (MPH), posteriores Alpha, langsame kortikale Potenziale (SCP), vorbereitende Aufmerksamkeit, kortikale Erregbarkeit
