Autismusspektrumstörungen mit hohem Funktionsniveau im Erwachsenenalter
K. Koelkebeck, A. Riedel, P. Ohrmann, M. Biscaldi, L. Tebartz van Elst (2014)
Der Nervenarzt 85(7), 891-902
Zusammenfassung
Etwa 1% der Bevölkerung ist von Autismusspektrumstörungen betroffen. Einige autistische Menschen mit hohem Funktionsniveau durchlaufen die Schulzeit erfolgreich, ohne dass eine Diagnose gestellt wurde. Probleme entstehen oft erst mit erhöhten Anforderungen an die soziale Kompetenz und Erfahrungen des Scheiterns. Patienten stellen sich dann häufig mit sekundärer Symptomatik, z. B. einer depressiven Entwicklung, vor. Typische Merkmale des Autismus, wie Störungen der sozialen Interaktion und Kommunikation, eingeschränkte Interessen und stereotypes Verhalten, können aufgrund hoher Intelligenz und guter Kompensationsstrategien unentdeckt bleiben, Fehldiagnosen sind nicht selten. Für die Diagnostik stehen Interviews, Fragebogen und neuropsychologische Tests zur Verfügung. Bei Hinweisen auf eine sekundäre Genese der autistischen Symptomatik sollte eine organische Ausschlussdiagnostik erfolgen. Pharmakologisch sollte symptomorientiert behandelt werden, auf psychotherapeutischer Ebene entwickeln sich zunehmend spezialisierte Therapieangebote. Oft müssen jedoch pragmatische Lösungen mit den Patienten erarbeitet werden.
Kategorien: Autismus-Spektrum-Störungen, Diagnostik
Schlagwörter: Autismusspektrumstörungen, Erwachsenenalter, Diagnostik, Therapie, Differenzialdiagnose
