Kombinierte Stimulanzien- und Antipsychotikabehandlung bei Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung: Eine querschnittliche beobachtende strukturelle MRT-Studie

L. J. S. Schweren, C. A. Hartman, M. P. Zwiers, D. J. Heslenfeld, D. van der Meer, B. Franke, J. Oos (2014)

European Child & Adolescent Psychiatry

Zusammenfassung

Metaanalysen legen normalisierende Effekte von Methylphenidat auf strukturelle fronto-striatale Auffälligkeiten bei Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) nahe. Eine Untergruppe der Patienten erhält atypische Antipsychotika gleichzeitig mit Methylphenidat. Langfristige Sicherheit und Wirksamkeit dieser Kombination sind unbekannt. Die vorliegende Studie bietet eine erste Untersuchung struktureller Hirnkorrelate einer kombinierten Behandlung mit Methylphenidat und Antipsychotika bei Patienten mit ADHS. Strukturelle Magnetresonanztomografie wurde bei 31 Patienten durchgeführt, die eine kombinierte Behandlung mit Methylphenidat und Antipsychotika erhalten hatten, bei 31 parallelisierten Patienten, die Methylphenidat, aber keine Antipsychotika erhalten hatten, sowie bei 31 gesunden Kontrollpersonen (M-Alter 16,7 Jahre). Analysiert wurden Gruppenunterschiede beim gesamten kortikalen und subkortikalen Volumen sowie bei sieben frontalen kortikalen und acht subkortikal-limbischen Volumina von Interesse, die jeweils an dopaminerger Neurotransmission beteiligt sind. Patienten der Kombinationsbehandlungsgruppe, nicht jedoch der Methylphenidat-allein-Gruppe, zeigten gegenüber gesunden Kontrollen eine Verringerung des gesamten kortikalen Volumens (Cohens d = 0,69, p < 0,004), die sich in den meisten frontalen Regionen von Interesse zeigte. Darüber hinaus wies die Kombinationsgruppe, nicht jedoch die Methylphenidatgruppe, Volumenreduktionen im bilateralen ventralen Dienzephalon (links Cohens d = 0,48, p < 0,04; rechts Cohens d = 0,46, p < 0,05) und im linken Thalamus auf (Cohens d = 0,47, p < 0,04). Diese Befunde könnten darauf hindeuten, dass eine Antipsychotikabehandlung den normalisierenden Effekten von Methylphenidat auf die Hirnstruktur entgegenwirkt. Es lässt sich jedoch nicht ausschließen, dass bereits vorbestehende klinische Unterschiede zwischen den beiden Patientengruppen zu anatomischen Unterschieden zum Zeitpunkt der Bildgebung geführt haben. Das Fehlen einer unbehandelten ADHS-Gruppe erschwert eine eindeutige Interpretation und Ableitung von Implikationen aus unseren Befunden.

Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Medikamente

Schlagwörter: ADHS, Neurobildgebung, Behandlung, Antipsychotika, Jugendliche

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