Kognitives Disengagement-Syndrom: ein Konstrukt am Scheideweg
Stephen P. Becker (2025)
American Psychologist 80(5), 812-834
Zusammenfassung
Das kognitive Disengagement-Syndrom (CDS; früher Sluggish Cognitive Tempo) umfasst übermäßiges Tagträumen, geistige Verwirrtheit und Hypoaktivität. Es ist von ADHS und anderen psychopathologischen Dimensionen abgrenzbar und unabhängig mit funktionellen Folgen verbunden. Der Beitrag gibt einen breiten Überblick über Geschichte, Terminologie und Forschungsstand. Trotz deutlich zunehmender Forschung, psychometrisch solider Erhebungsinstrumente und eines entstehenden Befundmusters zeigt die Literatur den Bedarf an einer ambitionierten Forschungsagenda. Zehn zentrale Bereiche werden hervorgehoben: Entwicklungsverlauf über die Lebensspanne, Mechanismen funktioneller Beeinträchtigungen, Normdaten, Ein- oder Mehrdimensionalität, Ursachen, Neurobiologie und Psychophysiologie, CDS als transdiagnostisches Merkmal, Verständnis von Personen mit hohen CDS-Werten, partizipative Forschung und gelebte Erfahrung sowie die Bedeutung für Interventionen. Diskutiert werden mögliche Einordnungen als eigenständige Störung, diagnostischer Zusatz oder transdiagnostische Dimension. Der weitere Weg erfordert mehr Zusammenarbeit, Kreativität und methodische Strenge, um Theorie zu entwickeln und das Wohlbefinden betroffener Menschen zu unterstützen.
Kategorien: ADHS Allgemein, Diagnostik
Schlagwörter: ADHS, Aufmerksamkeitsstörung, Hypoaktivität, Diagnostik, Komorbidität, Psychopathologie
