Bindung und ADHS - Kindliche und elterliche Bindungsrepräsentanzen bei Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung

V. Kummetat (2007)

http://kups.ub.uni-koeln.de/id/eprint/2269

Zusammenfassung

Die Bindungsforschung hat sich in den letzten Jahren zunehmend mit entwicklungspsychopathologischen Fragestellungen auseinandergesetzt. Obgleich die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung zu den häufigsten kinder- und jugendpsychiatrischen Störungen zählt, existieren bislang jedoch kaum Untersuchungen zur Bindungsqualität hyperaktiver Kinder. Das Anliegen der vorliegenden Arbeit bestand daher in der Untersuchung der Bindungsrepräsentanzen von Kindern mit einer ADHS. Es wurden 30 Kinder mit ADHS-Symptomen mit 29 Kontrollprobanden verglichen. Die Kinder waren aus den ersten beiden Klassen aus Kölner Grundschulen rekrutiert worden. Ein Drittel der Kinder stammte aus Familien mit Migrationshintergrund. Unter den ADHS-Kindern fanden sich erwartungsgemäß mehr männliche Probanden als in der Vergleichsgruppe. Die Intelligenzdiagnostik (HAWIK-III) ergab signifikant schlechtere Ergebnisse für die Kinder aus der ADHS-Gruppe verglichen mit den Probanden der Kontrollgruppe. Die psychopathologische Befundung (CASCAP-D) und der Elternfragebogen (CBCL 4-18) zeigten, dass die ADHS-Kinder signifikant stärker von psychopathologischen Merkmalen betroffen waren als die Kinder der Vergleichsgruppe. Die Störungsdiagnostik (DISYPS-KJ) ergab, dass die ADHS-Kinder signifikant stärker von den Kernsymptomen des Störungsbildes betroffen waren. Bei 28 Kindern konnte die Verdachtsdiagnose ADHS bestätigt werden. Die Untersuchung der kindlichen Bindungsqualität mittels des Geschichtenergänzungs-verfahrens (GEV) belegte, dass die ADHS-Kinder tendenziell häufiger unsicher gebunden waren und signifikant häufiger desorganisiert gebunden waren als die Kinder der Vergleichsgruppe. Die Klassifikation der elterlichen Bindungsstile mittels des Erwachsenen-Bindungs-Projektivs (AAP) ergab keine eindeutigen Resultate. Die Eltern der ADHS-Kinder wiesen häufiger unsicher-vermeidende und ambivalente Bindungsstile auf als die Eltern der Kontrollgruppe. Die Unterschiede erwiesen sich jedoch nicht als signifikant. Schwierigkeiten bei der Datenerhebung, der Datenaufbereitung und der Sprachkompetenz der Eltern haben möglicherweise die Auswertung der Daten beeinträchtigt. Weitere Untersuchungen zur Bindungsdiagnostik von Eltern hyperaktiver Kinder sind notwendig, um entscheiden zu können, ob eine unsichere elterliche Bindungsqualität einen Risikofaktor für die Entstehung einer ADHS des Kindes darstellt. Die ermittelten Ergebnisse sprechen für die Relevanz frühzeitiger Interventionen bei motorisch unruhigen Säuglingen und Kleinkindern. Weitere Forschungsarbeiten insbesondere im Bereich der Pränatalforschung sind bedeutsam für die Identifikation von frühen Risikofaktoren.

Kategorien: ADHS bei Kindern

Schlagwörter: Bindung, ADHS

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