Gerechtigkeits- und Zurückweisungssensitivität bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS-Symptomen

R. Bondü, G. Esser (2014)

European child & adolescent psychiatry

Zusammenfassung

Gerechtigkeitssensitivität erfasst individuelle Unterschiede darin, wie häufig Ungerechtigkeit wahrgenommen wird und wie intensiv emotional, kognitiv und verhaltensbezogen darauf reagiert wird. Bei Personen mit ADHS wurde eine hohe Gerechtigkeitssensitivität berichtet, und eine aktuelle Studie lieferte in einer Erwachsenenstichprobe Hinweise für diese Annahme. Bei 1.235 deutschen 10- bis 19-Jährigen erfassten wir ADHS-Symptome, Gerechtigkeitssensitivität aus Opfer-, Beobachter- und Täterperspektive, die Häufigkeit von Ungerechtigkeitswahrnehmungen, ängstliche und ärgerbezogene Zurückweisungssensitivität, depressive Symptome, Verhaltensprobleme und Selbstwertgefühl. Teilnehmer mit ADHS-Symptomen berichteten signifikant höhere Gerechtigkeitssensitivität aus Opferperspektive, häufigere Wahrnehmung von Ungerechtigkeit und höhere ängstliche und ärgerbezogene Zurückweisungssensitivität, aber signifikant niedrigere Gerechtigkeitssensitivität aus Täterperspektive als Kontrollen. In latenten Pfadanalysen vermittelten Gerechtigkeitssensitivität und Zurückweisungssensitivität bei gleichzeitiger Betrachtung teilweise den Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und komorbiden Problemen. Somit könnten sowohl Gerechtigkeitssensitivität als auch Zurückweisungssensitivität zur Erklärung der Entstehung und Aufrechterhaltung von Problemen beitragen, die typischerweise mit ADHS-Symptomen verbunden sind, und sollten daher in der ADHS-Therapie berücksichtigt werden.

Kategorien: ADHS Allgemein

Schlagwörter: ADHS, Gerechtigkeitssensitivität, Zurückweisungssensitivität, Verhaltensprobleme, depressive Symptome

This publication in English

Nach oben scrollen