Fallbericht: Remission chronischer Rückenschmerzen und oraler Dysästhesie bei komorbider ADHS durch Atomoxetin und Pramipexol
Satoshi Kasahara, Yuichi Kato, Miwako Takahashi, Ko Matsudaira, Naoko Sato, Shin-Ichi Niwa, Toshimitsu Momose & Kanji Uchida (2023)
Frontiers in Pain Research 4, 1159134
Zusammenfassung
Einleitung: Orale Dysästhesie ist durch Schmerzen oder Missempfindungen im Mundbereich ohne organischen Befund gekennzeichnet und gehört zu den idiopathischen orofazialen Schmerzen. Solche Beschwerden treten häufig gemeinsam mit anderen chronischen Schmerzen auf und sind oft schwer behandelbar. ADHS wurde zuletzt mit mehreren chronischen Schmerzsyndromen in Verbindung gebracht; Berichte zu ADHS als Komorbidität oraler Dysästhesie sowie zu Wirkungen von ADHS-Medikamenten fehlen jedoch. Fallbeschreibung: Berichtet wird über einen 80-jährigen Mann mit seit mehr als 25 Jahren bestehender oraler Dysästhesie und chronischen Rückenschmerzen. Die Beschwerden waren gegenüber Standardbehandlungen refraktär, verhinderten seine Berufstätigkeit und verschlechterten sich bei familiären Konflikten. Es wurde eine bislang nicht diagnostizierte ADHS festgestellt. Die Behandlung mit Atomoxetin und dem Dopaminagonisten Pramipexol führte zur Remission der chronischen Schmerzen und oralen Missempfindungen; auch Veränderungen der zerebralen Durchblutung wurden im Verlauf untersucht. Schlussfolgerung: Der Fall deutet darauf hin, dass das Erkennen und Behandeln einer komorbiden ADHS bei chronischen Schmerzsyndromen klinisch bedeutsam sein kann. Bei oraler Dysästhesie und anderen chronisch überlappenden Schmerzsyndromen sollten ein ADHS-Screening und bei bestätigter ADHS eine Behandlung mit ADHS-Medikamenten oder Dopaminagonisten erwogen werden.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Medikamente, Therapie
Schlagwörter: ADHS im Erwachsenenalter, Erwachsene, Komorbidität, Atomoxetin, Pharmakotherapie, Langzeiteffekte
