Stigmatisierende Einstellungen von Eltern gegenüber psychiatrischen Diagnoselabels für ADHS und Depression
Jeneva L. Ohan, Troy A. W. Visser, Rachael G. Moss, Nicholas B. Allen (2013)
Psychiatric Services 64(12), 1270-1273
Zusammenfassung
Ziel: Es besteht die Sorge, dass diagnostische Bezeichnungen für psychiatrische Störungen schädliche Stigmatisierung auslösen können, insbesondere bei Kindern. Diese Studie verglich die Stigmatisierung durch Eltern gegenüber Kindern mit Symptomen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder Depression mit der Stigmatisierung derselben Symptome plus psychiatrischem Diagnoselabel.
Methoden: Eltern (N = 225) bewerteten Stereotype, Vorurteile und soziale Distanz gegenüber Fallvignetten von Kindern mit einem entwicklungsüblichen Verhaltensspektrum, mit Symptomen, die DSM-IV-TR-Kriterien für ADHS oder Depression erfüllten, sowie mit denselben Symptomen plus dem Label ADHS oder Depression.
Ergebnisse: Kinder, die ausschließlich anhand ihrer Symptome beschrieben wurden, wurden stärker stigmatisiert als Kinder mit typischem Verhalten (d = .97–2.69). Das Hinzufügen eines diagnostischen Labels führte zu signifikanten, aber kleinen Zunahmen der Stigmatisierung (d = .12–.23).
Schlussfolgerungen: Eltern stigmatisierten Kinder mit psychiatrischen Problemen stark, das Hinzufügen eines Diagnoselabels trug jedoch nur geringfügig zu einer Verschärfung der Stigmatisierung bei. Die Vorteile der Inanspruchnahme psychiatrischer Leistungen – Zugang zu Behandlung und Validierung – könnten die Angst vor einer Etikettierung überwiegen. (Psychiatric Services 64:1270-1273, 2013; doi: 10.1176/appi.ps.201200578)
Kategorien: ADHS bei Kindern, Affektive Störungen
Schlagwörter: Erwachsene, Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität/Psychologie, Einstellung zur Gesundheit, Verhaltenssymptome/Psychologie, Kind, Major Depression/Psychologie, Menschen, männlich, mittleres Alter, New South Wales, Eltern/Psychologie, Vorurteile, soziale Stigmatisierung, Stereotypisierung
