Prävalenz hyperkinetischer Symptome und Störungen im Vorschulalter - ein Vergleich zweier Diagnoseinstrumente
A. Kuschel et al. (2006)
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 34(4), 275-286
Zusammenfassung
Fragestellung: Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist die Klärung der Frage, wie hoch die Prävalenzraten von Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) bzw. hyperkinetischer Symptome bei drei- bis sechsjährigen Kindergartenkindern sind. Dabei wird ein Vergleich der Prävalenzraten mittels zweier unterschiedlicher Messinstrumente vorgenommen sowie deren Gütekriterien und Übereinstimmungsraten berichtet.
Methodik: Untersucht wurden im Rahmen des Forschungsprojekts «Zukunft Familie» N = 280 Kinder im Alter zwischen 3 und 6 Jahren mit dem Elternfragebogen über das Verhalten von Klein- und Vorschulkindern (CBCL 11/2–5; Achenbach & Rescorla, 2000) und dem für diese Altersgruppe leicht modifizierten Fremdbeurteilungsbogen für Hyperkinetische Störungen (FBB-HKS; Döpfner & Lehmkuhl, 1998).
Ergebnisse: Die Gesamtprävalenzraten für hyperkinetische Störungen bei Kindergartenkindern liegen zwischen 2.7% und 9.9%, wobei am häufigsten eine Diagnose überwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ vergeben wurde. Es zeigten sich keine signifikanten Geschlechtsunterschiede. Nur jedes vierte Kind mit einer DSM-IV-Diagnose im FBB-HKS bekommt diese auch in der CBCL zugewiesen.
Schlussfolgerungen: Für den deutschen Sprachraum liefert die Studie erste Erkenntnisse und Entscheidungshilfen zum Einsatz neuer Verfahren in der Diagnostik von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen und hyperkinetischer Auffälligkeiten im Vorschulalter. Abschließend werden die Ergebnisse und deren Implikationen vor allem für die epidemiologische Forschung und Prävention hyperkinetischer Verhaltensauffälligkeiten diskutiert.
Kategorien: ADHS bei Kindern
Schlagwörter: HKS, ADHS, Prävalenzraten, Child Behavior Checklist (CBCL 11/2-€“5), Fremdbeurteilungsbogen für Hyperkinetische Störungen, Kindergartenkinder
