Rassische und ethnische Unterschiede bei der ADHS-Diagnose vom Kindergarten bis zur achten Klasse

P. L. Morgan, J. Staff, M. M. Hillemeier, G. Farkas & S. Maczuga (2013)

PEDIATRICS 132(1), 85-93

Zusammenfassung

ZIEL: Ob und in welchem Ausmaß rassische/ethnische Unterschiede bei der Diagnose der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im frühen und mittleren Kindesalter auftreten, ist derzeit nicht bekannt. Wir untersuchten die zeitliche Dynamik rassischer/ethnischer Unterschiede bei der Diagnosestellung vom Kindergarten bis zur achten Klasse sowie Unterschiede in der Behandlung in der fünften und achten Klasse.

METHODEN: Analysen der national repräsentativen Early Childhood Longitudinal Study, Kindergarten Class of 1998–1999 (N = 17 100) unter Verwendung einer diskreten Ereigniszeitanalyse.

ERGEBNISSE: Kinder aus Minderheitengruppen erhielten seltener eine ADHS-Diagnose als weiße Kinder. Nach statistischer Kontrolle zeitinvarianter und zeitvariierender Störfaktoren waren die Chancen auf eine ADHS-Diagnose bei afroamerikanischen, hispanischen und Kindern anderer rassischer/ethnischer Gruppen um 69 % (95%-Konfidenzintervall [KI]: 60 %–76 %), 50 % (95%-KI: 34 %–62 %) bzw. 46 % (95%-KI: 26 %–61 %) niedriger als bei weißen Kindern. Zu den Faktoren, die das Risiko einer ADHS-Diagnose erhöhten, gehörten männliches Geschlecht, das Aufwachsen bei einer älteren Mutter, das Aufwachsen in einem englischsprachigen Haushalt sowie externalisierende Problemverhaltensweisen. Zu den Faktoren, die das Risiko einer ADHS-Diagnose verringerten, gehörten lernbezogene Verhaltensweisen (z. B. Aufmerksamkeit), höhere schulische Leistungen und fehlende Krankenversicherung. Unter Kindern mit diagnostizierter ADHS nahmen rassische/ethnische Minderheiten seltener als weiße Kinder verschreibungspflichtige Medikamente gegen die Störung ein.

SCHLUSSFOLGERUNGEN: Rassische/ethnische Unterschiede bei der ADHS-Diagnose treten bereits im Kindergarten auf und bestehen mindestens bis zum Ende der achten Klasse fort. Die gemessenen Störfaktoren erklären die rassischen/ethnischen Unterschiede bei ADHS-Diagnose und -Behandlung nicht. Eine kultursensible Überwachung sollte intensiviert werden, um sicherzustellen, dass alle Kinder angemessen gescreent, diagnostiziert und behandelt werden.

Kategorien: ADHS bei Kindern

Schlagwörter: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Unterschiede, Rasse, Ethnizität, sozioökonomischer Status

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