Fallbericht: Methylphenidat besserte chronische Schmerzen bei einem erwachsenen Patienten mit ADHS
Ekachaeryanti Zain, Atsunori Sugimoto, Jun Egawa & Toshiyuki Someya (2023)
Frontiers in Psychiatry 14, 1091399
Zusammenfassung
Einleitung: Chronische Schmerzen sind häufig schwer ausreichend zu behandeln. Unklare Ursachen und komplexe Komorbiditäten, einschließlich psychischer Störungen, können die Symptome verstärken und die Lebensqualität langfristig beeinträchtigen. In der klinischen Praxis zeigte sich zufällig, dass Methylphenidat chronische Schmerzen bei einem Erwachsenen mit ADHS wirksam kontrollierte, obwohl sein Nutzen gegen Schmerzen unklar ist. Fallbeschreibung: Ein 43-jähriger Mann litt seit 15 Jahren unter chronischen idiopathischen Schmerzen, die weder auf übliche Analgetika und Muskelrelaxanzien noch auf Antidepressiva, Epiduralblockade oder modifizierte Elektrokrampftherapie ausreichend ansprachen. Nach umfassender Untersuchung wurde eine vorwiegend unaufmerksame ADHS im Erwachsenenalter diagnostiziert. Unter OROS-Methylphenidat 18 mg täglich besserten sich die Schmerzen innerhalb eines Monats dramatisch und verschwanden. Die Dosis wurde bis 72 mg täglich gesteigert; nach vier Monaten besserten sich auch die ADHS-Symptome. Während sieben Jahren Nachbeobachtung traten weder erneute Schmerzen noch relevante Nebenwirkungen oder Abhängigkeit auf. Schlussfolgerung: Der Fall legt eine mögliche Wirksamkeit von Methylphenidat bei chronischen Schmerzen nahe. Weitere Studien müssen klären, ob die Schmerzbesserung gemeinsam mit oder unabhängig von der ADHS-Besserung auftritt und welche Mechanismen beteiligt sind.
Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Medikamente, Therapie
Schlagwörter: ADHS im Erwachsenenalter, Erwachsene, Methylphenidat, Pharmakotherapie, Komorbidität, Langzeiteffekte
