Diagnostik

Neuropsychologische Trends in der Kinder- und Jugendpsychiatrie – alles eine Frage der Aufmerksamkeit?

Der aktuelle Beschluss zur Anerkennung der ambulanten neuropsychologischen Therapie durch approbierte Richtlinientherapeuten mit zusätzlicher neuropsychologischer Weiterbildung ermöglicht, wie nie zuvor, eine Annäherung der Disziplinen in Ausbildung und Praxis. Im Forschungsbereich liefern neuropsychologische Fragestellungen weiterhin wichtige Erkenntnisse zur Erforschung, Diagnostik und Behandlung vielfältiger Störungsbilder. Diese bibliometrische Analyse betrachtet, exemplarisch an den Jahrgängen 2009 bis 2012 vier deutschsprachiger Zeitschriften, für welche Themen der Neuropsychologie und Kinderpsychiatrie sich Schnittstellen ergeben. Das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom stellt dabei in Übereinstimmung mit internationalen Trends eine zentrale gemeinsame Herausforderung dar.

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Neuropsychologische Diagnostik bei ADHS im Erwachsenenalter

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist ein mehrdimensionales Störungsbild, welches in der Regel auch mit neuropsychologischen Defiziten einhergeht. Im Schwerpunkt betrifft dies die Bereiche der Aufmerksamkeitsintensität und -selektivität aber auch die exekutiven Funktionen. Diese interagieren mit motivationalen Faktoren, so dass das Ausmaß der Beeinträchtigungen bei Erwachsenen mit ADHS variiert. Da die funktionellen Beeinträchtigungen häufig einen Rückschluss auf die Verhaltensprobleme zulassen, liegt es nahe auch neuropsychologische Parameter im diagnostischen Prozess zu erfassen. Der Beitrag gibt einen Überblick über aktuelle diagnostische Verfahren zur Beurteilung neuropsychologischer Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeitsleistung. Die darüber erfassten Informationen werden unter Einbezug eines Fallbeispiels diskutiert. Ziel des Beitrags ist die Untermauerung der Notwendigkeit auch neuropsychologische Befunde in die Beurteilung einer ADHS bei Erwachsenen mit einzubeziehen.

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Neuere Entwicklungen zur Diagnostik psychischer Störungen im Jugendalter

Die vorliegende Arbeit stellt die gängigsten klinischen Interviewverfahren zur Diagnosestellung bei Jugendlichen sowie geeignete störungsspezifische Messinstrumente im deutschen Sprachraum vor. Zudem werden Besonderheiten bei der Diagnostik psychischer Störungen bei Jugendlichen erläutert sowie handlungsrelevante Hinweise gegeben. Beurteiler sind mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert, die eine valide Diagnosestellung erschweren. Hierbei ist die Abgrenzung von krankheitswertigem vs. jugendtypischem Verhalten, die hohe Komorbidität von psychischen Störungen im Jugendalter sowie die mangelnde Übertragbarkeit der diagnostischen Kriterien auf Jugendliche zu nennen. Zudem sind ein Einbezug verschiedener Informationsquellen und eine sorgfältige Exploration der psychosozialen Umstände des Jugendlichen erforderlich sowie eine kontinuierliche Weiterbildung über sich neu entwickelnde Störungsbilder.

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Magnet-Resonanz-Tomographie-basierte Neuromorphometrie in einzelnen Patienten

Die Nützlichkeit MRT-basierter Neuromorphometrie zur Untersuchung einzelner Patienten wird beschrieben. Eine longitudinale, kortikale Dickeanalyse in einem Patient zeigte Atrophie im lateralen Temporallappen, welche eher eine semantische als eine frontotemporale Demenz suggeriert. Ein Knabe mit der Diagnose ADHS und Kontrollknaben wurden verglichen und der Patient zeigte erhöhte kortikale Dicke im orbitofrontalen Kortex. Dieser Befund spricht gegen ADHS und legt eher ein gestörtes Sozialverhalten nahe. Die multiple Synästhetin E. S. wurde mit zwei Kontrollgruppen verglichen und zeigte Hyperkonnektivität zwischen auditorischen und gustatorischen Hirnregionen, was nahelegt, dass ihre Interval-Geschmacks-Synaesthesie in diesen anatomischen Veränderungen wurzelt. Patienten mit McLeod-Syndrom wurden untersucht und zeigten starke Atrophie im Nucleus caudatus bilateral über die Zeit. Statistische Empfehlungen zum Vergleich von MRT-Daten von einzelnen Patienten werden zusätzlich gegeben.

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Diagnostik von Rechenstörungen

Bei der Rechenstörung handelt es sich um eine umschriebene Entwicklungsstörung mit ho- her Prävalenz, die sich vom Kindes- bis ins Erwachsenenalter hinein erstrecken kann. Nach ICD-10 („international classificatio n of diseases, 10th revision“) ist sie den umschriebenen Entwicklungsstörungen zuzuordnen, denen Beeinträchtigungen in Sprache, Motorik und vi- suell-räumlicher Wahrnehmung zugrunde liegen. Als entscheidend zur Diagnosestellung er- wies sich die Diskrepanz zwischen Intelligenz und der bezüglich dieser zu erwartenden Re- chenleistung. Dabei stehen dem Kliniker unterschiedliche diagnostische Leitlinien zur Ver- fügung. Eine umfassende, auch zur Therapieplanung geeignete Untersuchung sollte sich an der ätiologischen Konzeption der Rechenstörung orientieren und nicht zuletzt auch Beein- trächtigungen in der visuellen Informationsverarbeitung mit berücksichtigen. Dies sollte sich in der bedachten Auswahl entsprechender Testverfahren widerspiegeln.

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Behandlungsrelevante Diagnostik von ADHS

Das Syndrom ADHS spaltet die Fachwelt in zwei „Lager“: Während ein „Lager“ von der biologischen Ätiologie überzeugt ist, bevorzugt das andere psychodynamische Erklärungsmodelle. Unsere Studie könnte hier eine versöhnliche Lösung anbieten: Es handelt sich um verschiedene Subtypen bei klinisch gleicher Kernsymptomatik, da unsere Studie innerhalb der vom ADHS betroffenen Kinder drei Subtypen unterscheiden konnte: Zwei Cluster sind beschrieben durch ein jeweils spezifisches Profil an partiellen Defiziten in der Informationsverarbeitung, also durch neuropsychologische Parameter. Den dritten Cluster bilden emotional auffällige Kinder mit bindungsgestört-aggressiven Merkmalen. Der klinische Eindruck hätte erwarten lassen, die beiden Cluster mit Defiziten der Informationsverarbeitung auch anhand von neurologischen Soft-Signs differenzieren zu können. Die statistische Auswertung unserer Daten ergab aber keine signifikanten Zusammenhänge.

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Reliabilität und Validität des Wender-Reimherr-Interviews (WRI) – Ein Instrument zur Diagnostik der ADHS im Erwachsenenalter

Grundlage der Diagnostik der ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) im Erwachsenenalter ist in der Regel die DSM-IV- oder ICD-10-Klassifikation. Für die Psychopathologie der Erwachsenen sind diese Systeme nur bedingt geeignet. Die Utah-Kriterien, die mit dem Wender-Reimher-Interview (WRI) erfasst werden können, beziehen sich explizit auf das Erwachsenenalter. Ziel der vorliegenden Studie war, die psychometrischen Charakteristiken sowie die Verteilung und Kombination der sieben Bereiche des WRI zu untersuchen und zudem einen Vergleich mit anderen Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren der ADHS-Diagnostik zu ziehen. Die Skalenhomogenität des WRI lag mit einem Cronbachs α von .88 hoch. Die Interrater-Reliabilität lag auf Itemebene zwischen .45 und .95. Hohe Korrelationen mit anderen Instrumenten bestätigten die konvergente Validität des Interviews. Das WRI erwies sich als ein reliables und valides Instrument, das über das dreidimensionale Modell der ADHS Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität hinausgeht und dabei die Symptomatik der erwachsenen ADHS-Patienten besser berücksichtigt.

Zum Online-Test: „Wender-Reimherr-Interview (WRI)„.

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Diagnose, Differentialdiagnose und komorbide Leiden der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter

Die Diagnose der ADHS im Erwachsenenalter ist eine Entscheidung, die ganz überwiegend auf klinischen Überlegungen beruht. Ein Testverfahren, mit dem ADHS festgestellt werden könnte, ist nicht verfügbar. Die diagnostischen Kriterien von DSM-IV und die darauf beruhende Konzeption der Diagnosen mit 4 ADHS-Typen – gemischte ADHS, ADHS mit vorwiegender Unaufmerksamkeit, ADHS mit vorwiegender Hyperaktivität und Impulsivität und ADHS in partieller Remission – hat sich international auch bei den Erwachsenen bewährt. Als spezielle diagnostische Lösung für Erwachsene stehen die Utah-Kriterien zur Verfügung. Bei der Untersuchung und Feststellung ADHS-verdächtiger Störungen hat sich der Einsatz von Selbstbeurteilungsskalen und Fremdrating-Instrumenten bewährt. Für die klinische Entscheidung, dass ADHS vorliegt, müssen neben der seit früher Kindheit erkennbaren Symptomatik, bestehend aus Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität, auch funktionelle Einschränkungen im Lebensalltag, subjektives Leiden und eine generelle Präsenz der Symptomatik in verschiedenen Lebensfeldern nachweisbar sein. Im Erwachsenenalter ist ADHS fast immer mit komorbiden Störungen assoziiert. Die wichtigsten komorbiden Störungen sind Suchtkrankheiten, Persönlichkeitsstörungen und affektive bzw. emotionale Störungsmuster.

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Alters- und geschlechtsspezifische Besonderheiten der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

In der vorliegenden Übersichtsarbeit werden die Besonderheiten der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) beim erwachsenen Menschen dargestellt und ihre Bedeutung für die Diagnostik im Erwachsenenalter in den Mittelpunkt gestellt. Dabei wird auch auf bislang in diesem Lebensabschnitt weniger gut untersuchte Subtypenunterschiede und geschlechtsspezifische Besonderheiten eingegangen.

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Komorbidität der ADHS im Erwachsenenalter

Der Verlauf der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ist bereits in der Kindheit durch ein hohes Maß an komorbid auftretenden Störungen gekennzeichnet, was schon zu dies em Zeitpunkt hohe Anforderungen an den diagnostischen Prozess stellt. Betrachtet man die Symptomausprägung der ADHS im Erwachsenenalter, so sind hier einerseits vielfältige psychische Begleiterkrankungen zu verzeichnen, andererseits besteht eine hohe Symptomüberschneidung mit anderen Störungsbildern, wodurch eine eindeutige Diagnose häufig erschwert wird. Für die Diagnostik der ADHS im Erwachsenenalter ergibt sich demnach folgende Konsequenz: Außer den neuropsychologischen Beeinträchtigungen müssen Probleme auf der sozialen und Verhaltensebene erfasst werden, um eine möglichst valide Aussage über die individuelle Symptomausprägung und die differenzialdiagnostische Abgrenzung zu ermöglichen. Es wird ein Ausblick auf das neu entwickelte «Bremer ADHS-Screening für Erwachsene» (BAS-E) gegeben, mit dem die genannten Bereiche erfasst sowie retrospektiv ADHS-Symptome in der Kindheit abgefragt werden. Eine Zusatzskala ermöglicht die quantitative und qualitative (Selbstmedikation) Erfassung des Alkohol-, Drogen- und Medikamentenkonsums, was sowohl für den weiteren diagnostischen Prozess als auch für die Therapieplanung von Bedeutung ist.

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