Diagnostik

Schülerinnen und Schüler mit ADHS in der Schule beurteilen, verstehen und unterstützen: Aktuelle Wissenschaft, Praxis und Politik

Schülerinnen und Schüler mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zeigen chronische Verhaltensschwierigkeiten, die ihre schulische und soziale Funktionsfähigkeit im Schulumfeld beeinträchtigen. Diese Schwierigkeiten mindern nicht nur die Leistung der Schülerinnen und Schüler, sondern stellen auch Lehrkräfte, Schulpsychologen und andere schulische Fachkräfte, die mit dieser Gruppe arbeiten, vor erhebliche Herausforderungen. Obwohl eine umfangreiche Forschungsliteratur zu ADHS für das Verständnis zur Verfügung steht, sind Studien mit spezifischem Fokus auf schulische Funktionsfähigkeit, Diagnostik und Intervention unterrepräsentiert. Die Beiträge dieses Themenschwerpunkts adressieren diese Lücke unmittelbar, indem sie untersuchen: (a) die Rolle kontextueller Faktoren (z. B. Kultur, Geschlecht) bei Lehrerüberweisungen, der Wahrnehmung von Symptomen und Beeinträchtigungen durch Lehrkräfte sowie dem Einfluss der Symptome auf die schulische Leistung; (b) Reliabilität und Validität von Instrumenten, die für schulisches Screening, Identifikation und Behandlungsplanung eingesetzt werden können; und (c) das Ausmaß, in dem schulische Interventionspläne mit empfohlenen Best Practices und Forschungsevidenz übereinstimmen. Die Ergebnisse dieser Studien geben Schulpsychologen konkrete Hinweise für Interessenvertretung und Leistungserbringung, die die schulischen Ergebnisse von Schülerinnen und Schülern mit ADHS verbessern können. (PsycINFO Database Record (c) 2014 APA, alle Rechte vorbehalten)

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Erfassung von ADHS-Symptomverhalten und funktioneller Beeinträchtigung im schulischen Umfeld: Einfluss von Schüler- und Lehrermerkmalen

Ziel der vorliegenden Studie war es, (a) die von Lehrkräften berichtete Prävalenz von Symptomen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und damit verbundenen Beeinträchtigungen in einer national repräsentativen Stichprobe von Kindern und Jugendlichen zu untersuchen und (b) zu bestimmen, in welchem Ausmaß die Prävalenz in Abhängigkeit von Merkmalen der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte variierte. Von Lehrkräften berichtete ADHS-Symptome auf Grundlage der Kriterien des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Auflage (DSM-5), und von Lehrkräften eingeschätzte Beeinträchtigungen wurden genutzt, um die Prävalenz anhand von Symptomen und Beeinträchtigungen jeweils allein oder in Kombination zu schätzen und Prädiktoren von ADHS in einer vielfältigen national repräsentativen Stichprobe (n = 2140; 1070 männlich, 1070 weiblich; 54,8 % weiß, nicht-hispanisch) im Alter von 5 bis 17 Jahren (M = 11,53; SD = 3,54) zu untersuchen. Die Kombination aus Symptom- und Beeinträchtigungsbeurteilungen ergab die Prävalenzrate, die am besten mit früheren epidemiologischen Befunden übereinstimmte. Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und sonderpädagogischer Status der Schülerinnen und Schüler waren signifikante Prädiktoren für die Anzahl der Symptome und das Ausmaß symptombezogener Beeinträchtigungen. Bei der Identifikation von Schülerinnen und Schülern mit ADHS ist es von entscheidender Bedeutung, Symptome und symptombezogene Beeinträchtigungen gleichzeitig zu berücksichtigen. Merkmale von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften können die Beurteilungen und Identifikationsergebnisse beeinflussen. (PsycINFO Database Record (c) 2014 APA, alle Rechte vorbehalten)

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Emotionale Labilität: Der diskriminative Wert bei der Diagnose der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung im Erwachsenenalter

Ziel: Ziel dieser Studie ist es, den diskriminativen Wert emotionaler Labilität (EL) bei der Diagnose von Erwachsenen mit ADHS zu beurteilen.

Methoden: Eine Gruppe von Erwachsenen, die die DSM-IV-Diagnosekriterien für ADHS erfüllten (n = 589), eine klinische Kontrollgruppe (n = 138) und eine Kontrollgruppe aus der Allgemeinbevölkerung (n = 98) wurden hinsichtlich ihrer EL-Werte verglichen. Zur Auswahl der Probanden wurden SCID-I, SCID-II und CAADID eingesetzt. Zur Beurteilung der EL wurde die spezifische EL-Subskala der Conners Adult ADHD Rating Scale (CAARS) verwendet.

Ergebnisse: Zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen EL, ADHS und Komorbidität wurde eine Kovarianzanalyse durchgeführt. Sowohl der Gruppenfaktor (ADHS-, klinische oder Bevölkerungsgruppe) als auch der Komorbiditätsfaktor (Vorliegen oder Fehlen anderer psychiatrischer Störungen als ADHS) zeigten einen signifikanten Einfluss auf die Intensität der EL (Gruppe: F = 81,78, p = 0,000; Komorbidität: F = 25,48, p = 0,000). Für die Interaktion Gruppe × Komorbidität fanden sich jedoch keine signifikanten Unterschiede (F = 1,006, p = 0,366). EL zeigte bei der Unterscheidung zwischen ADHS-Patienten und Personen mit anderen psychiatrischen Störungen eine Sensitivität von 87,1 % und eine Spezifität von 46,6 %.

Schlussfolgerung: EL steht spezifisch mit ADHS in Zusammenhang, und dieser Zusammenhang lässt sich nicht durch das Vorliegen anderer psychiatrischer Störungen erklären. Komorbide Störungen sind lediglich mit einer höheren Intensität der EL verbunden.

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Die Auswirkungen von Instruktionen auf die Einschätzung von Symptomen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung durch Mütter bei überwiesenen Kindern

Es wurde untersucht, ob Instruktionen zur Bewertung von Symptomen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern die Übereinstimmung zwischen den Symptombewertungen der Mütter und den Bewertungen durch Lehrkräfte und objektive Beobachter verbessern. Achtundsechzig Mütter von 5- bis 12-jährigen Kindern (53 Jungen und 15 Mädchen), die zur ADHS-Diagnostik überwiesen worden waren, wurden zufällig einer Gruppe mit oder ohne Instruktionen zugeteilt. Mütter und Lehrkräfte bewerteten die Kinder mit der SNAP-IV Rating Scale, und objektive Beobachter bewerteten das Verhalten der Kinder während strukturierter Aufgaben. Die Zusammenhänge zwischen den Bewertungen von Müttern und Lehrkräften sowie von Müttern und Beobachtern waren bei Müttern in der Instruktionsgruppe im Allgemeinen stärker als bei Müttern in der Gruppe ohne Instruktionen, in einigen Fällen signifikant stärker. Die Instruktionsmaterialien verbesserten außerdem das Wissen der Mütter darüber, wie ADHS-Symptome zu bewerten sind, und reduzierten einige Zusammenhänge zwischen den mütterlichen Bewertungen und dem sozioökonomischen Status der Familie. Diese Instruktionen haben das Potenzial, die klinische Beurteilung kindlicher ADHS-Symptome zu verbessern.

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Conners Skalen zu Aufmerksamkeit und Verhalten −3

Bei den Conners-Skalen handelt es sich um Selbst- und Fremdeinschätzungsfragebögen zur Beschreibung und Abklärung einer ADHS und möglicher komorbider Störungen; das Verfahren ist für die Altersgruppe der Sechs- bis 18-Jährigen einsetzbar. Die Skalen wurden im Original von Conners im Jahre 2008 veröffentlicht und von Lidzba, Christiansen und Drechsler (2013) adaptiert. Insgesamt enthält die Sammlung 11 Bögen unterschiedlicher Länge und eine entsprechende Anzahl Auswerte- und Profilbögen. Insgesamt liegen vier Problemerfassungsstrategien vor: Langund Kurzversion jeweils für Eltern, Lehrer und die Betroffenen selbst (Kinder und Jugendliche der Altersspanne von 8 bis 18 Jahren); ADHS-Index, das heißt ein sehr kurzer Fragebogen für Eltern, Lehrer und Kinder/Jugendliche. Zudem ein Global-Index, der in einer Eltern- und Lehrerversion existiert. Weiterhin enthält die Materialiensammlung ein Manual (545 Seiten, davon 271 Seiten allein der Anhang und vor allem die Normtabellen). Die Materialiensammlung beinhaltet auch eine Übersichtskarte, die die Schritte der Auswertung und Interpretation der Lang- und Kurzversion zusammenfasst; zudem enthält die Übersichtskarte eine Kurzbeschreibung dieser Fragebogen-Versionen (Anzahl der Items, maximal erlaubte Anzahl fehlender Antworten). Alle Materialien sind in einer Box enthalten.

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Autismusspektrumstörungen mit hohem Funktionsniveau im Erwachsenenalter

Etwa 1% der Bevölkerung ist von Autismusspektrumstörungen betroffen. Einige autistische Menschen mit hohem Funktionsniveau durchlaufen die Schulzeit erfolgreich, ohne dass eine Diagnose gestellt wurde. Probleme entstehen oft erst mit erhöhten Anforderungen an die soziale Kompetenz und Erfahrungen des Scheiterns. Patienten stellen sich dann häufig mit sekundärer Symptomatik, z. B. einer depressiven Entwicklung, vor. Typische Merkmale des Autismus, wie Störungen der sozialen Interaktion und Kommunikation, eingeschränkte Interessen und stereotypes Verhalten, können aufgrund hoher Intelligenz und guter Kompensationsstrategien unentdeckt bleiben, Fehldiagnosen sind nicht selten. Für die Diagnostik stehen Interviews, Fragebogen und neuropsychologische Tests zur Verfügung. Bei Hinweisen auf eine sekundäre Genese der autistischen Symptomatik sollte eine organische Ausschlussdiagnostik erfolgen. Pharmakologisch sollte symptomorientiert behandelt werden, auf psychotherapeutischer Ebene entwickeln sich zunehmend spezialisierte Therapieangebote. Oft müssen jedoch pragmatische Lösungen mit den Patienten erarbeitet werden.

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ADHS im Vorschulalter – Subgruppen, Diagnostik und gezielte Therapieansätze

Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS) im Vorschulalter sind der ADHS im Grundschulalter bezüglich Erscheinungsbild und Komorbiditäten teils ähnlich und teils unähnlich. Zudem ergeben sich besondere Herausforderungen hinsichtlich der Diagnostik und Behandlung u. a. aufgrund altersabhängiger Diagnosekriterien, einer schwierigen Unterscheidung von altersadäquatem und abweichendem Verhalten und erhöhten Nebenwirkungen bei der medikamentösen Behandlung. Daher werden in diesem Übersichtsartikel Subtypen und Komorbiditäten von ADHS, für den klinischen Gebrauch geeignete Diagnostikinstrumente sowie gezielte Behandlungsansätze, insbesondere Elterntrainings und Medikation, genauer betrachtet.

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Wird ADHS in Übereinstimmung mit diagnostischen Kriterien diagnostiziert? Überdiagnose und Einfluss des Geschlechts des Patienten auf die Diagnose

Ziel: Hinsichtlich der ADHS-Diagnostik bestehen ungeklärte Fragen. Erstens deuten einige Studien auf eine mögliche Überdiagnose hin. Zweitens erhalten im Vergleich zum Verhältnis Jungen:Mädchen in der Allgemeinbevölkerung (3:1) deutlich mehr Jungen als Mädchen eine ADHS-Behandlung (6–9:1). Wir stellten die Hypothese auf, dass dies darauf zurückzuführen ist, dass Therapeuten die Kriterien des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (4. Aufl.; DSM-IV) und der International Classification of Diseases (10. Revision; ICD-10) nicht konsequent anwenden. Stattdessen könnten Therapeuten entsprechend der Repräsentativitätsheuristik eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostizieren, wenn ein Patient ihrem Bild eines prototypischen ADHS-Kindes ähnelt, und dabei bestimmte Ausschlusskriterien übersehen. Dies könnte zu Überdiagnosen führen. Da ADHS bei männlichen Personen häufiger ist, könnte ein Junge zudem eher als prototypisches ADHS-Kind wahrgenommen und deshalb leichter mit ADHS diagnostiziert werden als ein Mädchen. Methode: Wir schickten 1000 Kinderpsychologen, Psychiatern und Sozialarbeitern eine Fallvignette und baten sie um eine Diagnose. Es gab vier Versionen: Vignette 1 (ADHS) erfüllte alle DSM-IV-/ICD-10-Kriterien für ADHS. Die Vignetten 2–4 (keine ADHS) enthielten mehrere ADHS-Symptome, wiesen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass andere ADHS-Kriterien nicht erfüllt waren; eine ADHS-Diagnose war daher nicht zulässig. Zusätzlich wurden für jede Vignette Jungen- und Mädchenversionen erstellt. Ergebnisse: In den Vignetten 2–4 (keine ADHS) diagnostizierten 16,7 % der Therapeuten ADHS. Bei den Jungenversionen dieser Vignetten wurde ADHS etwa doppelt so häufig diagnostiziert wie bei den Mädchenversionen. Schlussfolgerungen: Therapeuten halten sich nicht strikt an diagnostische Manuale. Unsere Studie legt nahe, dass in der klinischen Routine Überdiagnosen von ADHS vorkommen und dass das Geschlecht des Patienten die Diagnose erheblich beeinflusst. Eine fundierte diagnostische Schulung könnte helfen, solche Verzerrungen zu vermeiden. (PsycINFO Database Record (c) 2012 APA, alle Rechte vorbehalten)

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Set-Shifting und Arbeitsgedächtnis bei Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Im Vergleich zur großen Zahl von Studien zu exekutiven Funktionen (EF) bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist über die EF-Leistung von Erwachsenen mit ADHS wenig bekannt. Diese Studie verglich 37 Erwachsene mit ADHS (ADHS(total)) und 32 Kontrollpersonen, die hinsichtlich Alter, Intelligenzquotient (IQ), Geschlecht und Bildungsjahren vergleichbar waren, in zwei EF-Bereichen – Set-Shifting und Arbeitsgedächtnis. Zusätzlich wurde die ADHS(total)-Gruppe in zwei Untergruppen unterteilt: ADHS-Patienten ohne Komorbidität (ADHS(−), n = 19) und Patienten mit mindestens einer komorbiden Störung (ADHS(+), n = 18). Die Teilnehmenden absolvierten zwei Maße des Set-Shifting (Trail Making Test, TMT, und einen computerisierten Kartensortiertest, CKV) sowie ein Maß des Arbeitsgedächtnisses (Zahlenspannentest, DS). Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigte die ADHS(total)-Gruppe Defizite im Set-Shifting und Arbeitsgedächtnis. Die Gruppenunterschiede entsprachen mittleren bis großen Effektstärken (TMT: d = 0,48; DS: d = 0,51; CKV: d = 0,74). Der Vergleich der Untergruppen ADHS(+) und ADHS(−) ergab für die ADHS(+)-Gruppe eine schlechtere allgemeine Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit. Hinsichtlich Set-Shifting und Arbeitsgedächtnis fanden sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Untergruppen. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Defizite der ADHS(total)-Gruppe eher auf ADHS als auf Komorbidität zurückzuführen sind. Ein Einfluss von Komorbidität lässt sich jedoch nicht vollständig ausschließen, da bei einigen Ergebnismaßen ein Trend zu schlechterer Leistung in der ADHS(+)-Gruppe bestand.

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