Kognitives Training

Nichtpharmakologische Interventionen bei ADHS: Systematische Übersicht und Metaanalysen randomisierter kontrollierter Studien zu diätetischen und psychologischen Behandlungen

Ziel: Für die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) stehen nichtpharmakologische Behandlungen zur Verfügung, deren Wirksamkeit jedoch unklar bleibt. Die Autoren führten Metaanalysen zur Wirksamkeit diätetischer (restriktive Eliminationsdiäten, Ausschluss künstlicher Lebensmittelfarbstoffe und Supplementierung freier Fettsäuren) und psychologischer (kognitives Training, Neurofeedback und Verhaltensinterventionen) ADHS-Behandlungen durch.

Methode: Mithilfe einer gemeinsamen systematischen Suche und einer strengen Kodierungs- und Datenextraktionsstrategie über alle Bereiche hinweg durchsuchten die Autoren elektronische Datenbanken nach publizierten randomisierten kontrollierten Studien, die Personen mit diagnostizierter ADHS (oder Personen, die einen validierten Grenzwert auf einer anerkannten Bewertungsskala erreichten) einschlossen und ein ADHS-bezogenes Outcome enthielten.

Ergebnisse: Vierundfünfzig der 2.904 nach Entfernung von Duplikaten gesichteten Datensätze wurden in die Analysen aufgenommen. Es wurden zwei unterschiedliche Analysen durchgeführt. Wenn das Outcome auf ADHS-Beurteilungen durch Rater beruhte, die dem therapeutischen Setting am nächsten standen, zeigten alle diätetischen (standardisierte Mittelwertdifferenzen = 0,21–0,48) und psychologischen (standardisierte Mittelwertdifferenzen = 0,40–0,64) Behandlungen statistisch signifikante Effekte. Wurde jedoch die jeweils bestmöglich vermutlich verblindete Beurteilung verwendet, blieben die Effekte für die Supplementierung freier Fettsäuren (standardisierte Mittelwertdifferenz = 0,16) und den Ausschluss künstlicher Lebensmittelfarbstoffe (standardisierte Mittelwertdifferenz = 0,42) signifikant, waren bei den anderen Behandlungen jedoch deutlich abgeschwächt und nicht mehr signifikant.

Schlussfolgerungen: Die Supplementierung freier Fettsäuren führte selbst bei vermutlich verblindeten Beurteilungen zu kleinen, aber signifikanten Reduktionen der ADHS-Symptome, wobei die klinische Bedeutung dieser Effekte noch geklärt werden muss. Der Ausschluss künstlicher Lebensmittelfarbstoffe zeigte größere Effekte, allerdings häufig bei Personen, die aufgrund von Nahrungsmittelsensitivitäten ausgewählt worden waren. Für Verhaltensinterventionen, Neurofeedback, kognitives Training und restriktive Eliminationsdiäten sind bessere Wirksamkeitsnachweise aus verblindeten Beurteilungen erforderlich, bevor sie als Behandlungen der ADHS-Kernsymptome unterstützt werden können.

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Die Wirksamkeit neuropsychologischer Trainingsverfahren bei Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Aktuelle neuropsychologische Erkenntnisse zur Pathogenese von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen haben in jüngster Zeit verstärkt zur Untersuchung der Effektivität spezifischer Trainings- und Therapieverfahren der betroffenen kognitiven Defizite beigetragen. In der vorliegenden Übersicht wurden über eine Medline-Recherche die Ergebnisse bereits vorliegender neuropsychologischer Therapieverfahren zusammengetragen. Aufgrund der geringen Studienzahl auf diesem Gebiet wurden neben randomisierten Studien zum Teil Arbeitenmit geringerem Evidenzgrad einbezogen, zum Teil auch Einzelfallberichte. Als Suchwörter wurden verwendet: Kognitive Trainings und Behandlungsverfahren, neuropsychologische Behandlungsverfahren, computergestützte Behandlungsverfahren/- trainings bei ADHS. Die Ergebnisse der vorliegenden Studien lassen aufgrund der heterogenen Zusammensetzung der Studienkollektive, der Anwendung unterschiedlicher diagnostischer Kriterien, der Effektmessung, der Verwendung sehr unterschiedlicher Trainingsverfahren als auch der Behandlungsdauer nur sehr vorläufige Schlussfolgerungen auf derenWirksamkeit zu. Auch der Grad der Generalisierung von Therapieeffekten verbleibt bislang unklar. Trotz der oben genannten Einschränkungen weisen die vorliegenden Studienergebnisse darauf hin, dass neuropsychologische Therapieverfahren zumindest in der Behandlung einiger spezifischer kognitiver Defizite wirksam sein könnten. Als nächster Schritt wären Replikationsstudien unter der Verwendung vergleichbarer Therapiemodule und -bedingungen bei homogenen Stichproben erforderlich.

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Training des Arbeitsgedächtnisses bei Kindern mit ADHS

Die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses (WM) bezeichnet die Fähigkeit, Informationen über einen kurzen Zeitraum zu speichern und zu verarbeiten. Diese Fähigkeit liegt komplexem Schlussfolgern zugrunde und wurde traditionell als relativ stabiles Merkmal einer Person betrachtet. Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) stellen eine Gruppe mit WM-Defiziten dar, die einer Beeinträchtigung des Frontallappens zugeschrieben werden. In der vorliegenden Studie verwendeten wir ein neues Trainingsparadigma mit intensivem und adaptivem Training von Arbeitsgedächtnisaufgaben und untersuchten den Trainingseffekt in einem doppelblinden, placebokontrollierten Design. Das Training verbesserte die Leistung bei den trainierten WM-Aufgaben signifikant. Noch wichtiger war, dass sich die Leistung auch bei einer nicht trainierten visuell-räumlichen WM-Aufgabe sowie bei Ravens Progressive Matrices, einer nonverbalen Aufgabe zum komplexen Schlussfolgern, signifikant verbesserte. Zudem nahm die motorische Aktivität – gemessen als Anzahl der Kopfbewegungen während eines computergestützten Tests – in der Behandlungsgruppe signifikant ab. Ein zweites Experiment zeigte, dass vergleichbare trainingsbedingte Verbesserungen kognitiver Aufgaben auch bei jungen Erwachsenen ohne ADHS möglich sind. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Leistung bei WM-Aufgaben durch Training deutlich verbessert werden kann und sich der Trainingseffekt auch auf nicht trainierte Aufgaben überträgt, die Arbeitsgedächtnis erfordern. Das Training verbesserte die Leistung bei Aufgaben mit Bezug zur präfrontalen Funktion und hatte bei Kindern mit ADHS außerdem einen signifikanten Effekt auf die motorische Aktivität. Die Ergebnisse legen somit nahe, dass Arbeitsgedächtnistraining potenziell klinisch zur Linderung von ADHS-Symptomen eingesetzt werden könnte.

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