Selbst-Stigma bei Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und Frauen mit Sozialer Phobie
Hintergrund: Bisher ist wenig darüber bekannt, wie Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und Frauen mit Sozialer Phobie auf das Stigma ihrer psychischen Erkrankung reagieren. Öffentliche Stigmatisierung kann zu Selbst-Stigmatisierung führen und somit Selbstwertgefühl und Lebensqualität beeinflussen. Nach dem Selbst-Stigma-Modell von Corrigan und Watson (2002) müssen der betroffenen Person die Vorurteile der Öffentlichkeit bekannt sein, darüber hinaus muss sie diesen zustimmen und sie gegen sich wenden. Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung von Selbst-Stigma und seiner Zusammenhänge mit Selbstwert, Lebensqualität, Selbstwirksamkeitserwartung, Empowerment und Experiential Avoidance sowie mit Schamneigung und Psychopathologie. Des Weiteren sollen, unabhängig von Depressivität und Schamneigung, der Einfluss von Selbst-Stigma auf Selbstwert untersucht werden sowie Unterschiede in der Ausprägung der Selbststigmatisierung bei Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und Frauen mit Sozialer Phobie.
Methodik: Anhand von Selbstbeurteilungsskalen wurden bei 60 stationär behandelten Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und 30 ambulant betreuten Patientinnen mit Sozialer Phobie Selbst-Stigma und verwandte Konstrukte gemessen. Zusätzlich wurden Depressivität, Lebensqualität, Schamneigung sowie Allgemeine Psychopathologie erfasst.
Ergebnisse: Selbst-Stigma zeigte eine negative Korrelation mit Selbstwert, Selbstwirksamkeitserwartung und Lebensqualität und prädizierte, nach Kontrolle für Schamneigung und Depressivität, niedrigen Selbstwert. Stereotypenwahrnehmung korrelierte nicht signifikant negativ mit Selbstwert und Lebensqualität. Während keine Unterschiede in der Stereotypenwahrnehmung bei Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und Frauen mit Sozialer Phobie gemessen wurden, war Selbst-Stigma bei Frauen mit Borderline Persönlichkeitsstörung ausgeprägter als bei Frauen mit Sozialer Phobie.
Diskussion: Selbst-Stigma ist assoziiert mit niedrigem Selbstwert und anderen Merkmaleneines schlechten psychischen Allgemeinzustandes. Im Vergleich zu Frauen mit SozialerPhobie sind Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung stärker von Selbst-Stigma betroffen. Dies könnte auf den Umstand zurückgeführt werden, dass Frauen mit Borderline- Persönlichkeitsstörung aufgrund häufiger stationärer Aufenthalte, sichtbarer Narben sowie zwischenmenschlicher Schwierigkeiten einem starken Etikettierungsprozess als psychisch Kranke ausgesetzt sind.
