Handlungskontrolldefizite und störungsspezifische Zielintentionen bei der Hyperkinetischen Störung II: Empirische Befunde
P. Gerjets, T. Graw, E. Heise, R. Westermann & A. Rothenberger (2002)
Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie 31(2), 99-109
Zusammenfassung
Theoretischer Hintergrund: Diesem Beitrag liegt ein handlungspsychologisches Rahmenmodell hyperkinetischer Verhaltensauffälligkeiten zugrunde. Fragestellung: Zwei daraus ableitbare Erklärungsansätze, die hyperkinetisches Verhalten auf störungsspezifische stimulationsbezogene Zielintentionen bzw. auf Handlungskontrolldefizite bei der Abschirmung von Zielintentionen zurückführen, werden experimentell überprüft. Methode: Dazu bearbeiteten 15 HKS-Kinder und 15 Kontrollkinder einen Continuous Performance Test (CPT-AX). Als anschließende Zweitaufgabe sollten Tiernamen genannt werden. Zur Variation des Stimulationsgrades bei der CPT-Bearbeitung wurde phasenweise Rockmusik dargeboten. Zur Variation der Abschirmanforderung bei der CPT-Bearbeitung wurden phasenweise Tierdias präsentiert, die auf die spätere Zweitaufgabe bezogen waren. Ergebnisse: Die CPT-Leistung hyperkinetischer Kinder verbesserte sich unter akustischer Stimulation, diejenige unauffälliger Kontrollkinder nicht. Unauffällige Kontrollkinder verbesserten sich unter hoher Abschirmanforderung, hyperkinetische Kinder jedoch nicht. Schlussfolgerung: Dieses Ergebnismuster kann im Sinne unseres Rahmenmodells als Hinweis auf HKS-spezifische Zielintentionen und Handlungskontrolldefizite interpretiert werden.
Kategorien: ADHS Allgemein
Schlagwörter: Hyperkinetische Störung (HKS), Stimulation, Handlungskontrolle, Volition, konkurrierende Zielintentionen, Rubikontheorie der Handlungsphasen, Continuous Performance Test
