Langzeitergebnisse pharmakologisch behandelter versus unbehandelter Erwachsener mit ADHS und Substanzkonsumstörung: Eine naturalistische Studie

Berit Bihlar Muld, Jussi Jokinen, Sven Bölte, Tatja Hirvikoski (2014)

Journal of Substance Abuse Treatment

Zusammenfassung

Hintergrund und Ziele: Die pharmakologische Behandlung von Personen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und schwerer Substanzkonsumstörung (SUD) ist umstritten; nur wenige Studien haben die langfristigen psychosozialen Ergebnisse solcher Behandlungen untersucht. Unser Ziel war es zu prüfen, ob eine pharmakologische Behandlung mit verbesserten langfristigen psychosozialen Ergebnissen verbunden war.

Methoden: Die vorliegende naturalistische Studie bestand aus einer langfristigen Nachbeobachtung von 60 männlichen Patienten mit ADHS und komorbider schwerer SUD; alle Teilnehmenden hatten wegen schweren Substanzmissbrauchs eine verpflichtende stationäre Behandlung erhalten. Der durchschnittliche Zeitraum zwischen Entlassung aus der stationären Behandlung und Nachuntersuchung betrug 18,4 Monate. 30 Patienten hatten eine pharmakologische ADHS-Behandlung erhalten, 30 waren pharmakologisch unbehandelt. Die Gruppen wurden hinsichtlich Mortalität und psychosozialer Ergebnisse verglichen, operationalisiert als Status des Substanzkonsums, laufende freiwillige Rehabilitation, aktuelle Wohnsituation und Beschäftigungsstatus.

Ergebnisse: Die Gruppen waren hinsichtlich demografischer und Hintergrundmerkmale vergleichbar. Insgesamt war die Mortalität hoch; 8,3 % der Teilnehmenden waren bis zur Nachuntersuchung verstorben (eine Person in der pharmakologisch behandelten und vier in der unbehandelten Gruppe; der Gruppenunterschied war nicht signifikant). Die pharmakologisch wegen ADHS behandelte Gruppe zeigte weniger Rückfälle in den Substanzkonsum, nahm häufiger freiwillige Behandlungen entsprechend einem Rehabilitationsplan in Anspruch, benötigte seltener verpflichtende Betreuung, lebte häufiger in betreutem Wohnen oder einem Rehabilitationszentrum und wies eine höhere Beschäftigungsrate auf als die unbehandelte Gruppe.

Schlussfolgerungen: Die Empfehlungen zur engmaschigen klinischen Überwachung von Hochrisikopopulationen sowie zur Prävention von Fehlgebrauch und Weitergabe von Medikamenten wurden im strukturierten Umfeld der verpflichtenden Versorgung der behandelten Gruppe umgesetzt. Eine pharmakologische Behandlung der ADHS bei Personen mit schwerer SUD kann das Rückfallrisiko verringern und die Fähigkeit dieser Patienten erhöhen, einem nichtpharmakologischen Rehabilitationsplan zu folgen, wodurch sich ihre langfristigen Ergebnisse verbessern können.

Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Medikamente, Sucht

Schlagwörter: Neuropsychiatrie, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Methylphenidat, Hochrisikopopulation, verpflichtende Versorgung, Erwachsene

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