ADHS und das Ausmaß der elterlichen Stressbelastung bei mangelnder Spielfähigkeit im Säuglings- und Kleinkindalter
Insa Weber-Börgmann, Stefan Burdach, Petra Barchfeld, Harald Wurmser (2014)
Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychothe 42(3), 147-155
Zusammenfassung
Fragestellung: Frühkindliche «Spielunlust» könnte nach Papoušek (2004) ein früher Hinweis auf die Entwicklung einer AD(H)S im Schulalter sein. Das Phänomen Spielunlust ist verbunden mit Leidensdruck bei Eltern und Kind sowie Störungen der Eltern-Kind-Beziehungen (Papoušek, 2003). In dieser Studie wurden deshalb der Zusammenhang zwischen frühkindlicher Spielunlust und AD(H)S sowie deren Assoziationenmit dermütterlichen Stressbelastung untersucht.
Methodik: Die Stichprobe umfasste 35 AD(H)SKinder im Grundschulalter [Alter: M (SD) = 9.0 (1.1) Jahre; Jungenanteil: 30 (85.7 %)] und eine Kontrollgruppe mit 42 Kindern ohne AD(H)S [Alter:M(SD) = 8.8 (1.0) Jahre; Jungenanteil: 35 (83.3 %)]. Anhand eines Fragebogens zur frühkindlichen Spielfähigkeit erfolgte eine Einteilung in 39 Kinder mit geringerer Spiellust und 38 Kinder mit höherer Spiellust. Die mütterliche Stressbelastung wurde mittels einer deutschen Version des Parenting Stress Index (Abidin, 1995) erfasst.
Ergebnisse: AD(H)S fand sich signifikant häufiger bei Kindern mit frühkindlicher Spielunlust. Die Stressbelastung war bei Müttern von Kindern mit frühkindlicher Spielunlust signifikant erhöht, wobei sie bei Müttern von spielunlustigen AD(H)S-Kindern am höchsten, bei Müttern von spielfähigen Kindern ohne AD(H)S am geringsten ausgeprägt war.
Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse sind vereinbar mit der These, dass frühkindliche Spielunlust im Zusammenhang mit der Entwicklung einer späteren AD(H)S steht und einen zusätzlichen Stressor für betroffene Mütter darstellt.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Komorbiditäten
Schlagwörter: ADHS, frühkindliche Spielunlust, elterliche Stressbelastung
