Zusammenhänge von Schlafstörungen mit ADHS: Implikationen für die Behandlung
Allan Hvolby (2014)
ADHD Attention Deficit and Hyperactivity Disorders
Zusammenfassung
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist häufig mit gestörtem oder beeinträchtigtem Schlaf verbunden. Die Beziehungen zwischen ADHS, Schlafproblemen, psychiatrischen Komorbiditäten und Medikamenten sind komplex und multidirektional. Die Ergebnisse veröffentlichter Studien, die den Schlaf von Menschen mit ADHS mit dem typisch entwickelter Kontrollpersonen vergleichen, stimmen am stärksten hinsichtlich folgender Zusammenhänge mit ADHS überein: Hypopnoe/Apnoe und periodische Extremitätenbewegungen im Schlaf oder nächtliche motorische Aktivität in polysomnografischen Studien; verlängerte Einschlaflatenz und kürzere Schlafdauer in aktigrafischen Studien; sowie Widerstand gegen das Zubettgehen, Schwierigkeiten beim morgendlichen Erwachen, Einschlafprobleme, schlafbezogene Atmungsstörungen, nächtliches Erwachen und Tagesschläfrigkeit in subjektiven Studien. ADHS tritt zudem häufig gemeinsam mit Schlafstörungen auf (obstruktive Schlafapnoe, periodische Extremitätenbewegungsstörung, Restless-Legs-Syndrom und zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen). Psychostimulanzien sind mit beeinträchtigtem oder gestörtem Schlaf verbunden, können manche Patienten mit ADHS jedoch „paradoxerweise“ beruhigen und durch Symptomlinderung den Schlaf erleichtern. Langwirksame Formulierungen können eine unzureichende Wirkdauer haben, was am Abend zu einem Symptom-Rebound führt. Aktuelle Leitlinien empfehlen, Schlafstörungen im Rahmen der ADHS-Diagnostik und vor Beginn einer Pharmakotherapie zu erfassen; gesunde Schlafgewohnheiten gelten als erste Maßnahme bei Schlafproblemen. Diese Übersichtsarbeit gibt einen umfassenden Überblick über die Beziehungen zwischen ADHS und Schlaf und stellt ein konzeptionelles Modell der Interaktionsweisen vor: ADHS kann als intrinsisches Merkmal der Störung Schlafprobleme verursachen; Schlafprobleme können ADHS verursachen oder imitieren; ADHS und Schlafprobleme können sich wechselseitig beeinflussen, möglicherweise unter Beteiligung von Komorbiditäten; und ADHS und Schlafprobleme können eine gemeinsame zugrunde liegende neurologische Ätiologie aufweisen.
Kategorien: Komorbiditäten, Medikamente
Schlagwörter: Schlaf, ADHS, Stimulans, Amphetamin, Methylphenidat, Atomoxetin
