Das Dysregulationsprofil der Child Behavior Checklist sagt Substanzkonsum, Suizidalität und funktionelle Beeinträchtigung voraus: eine Längsschnittanalyse

M. Holtmann, A. F. Buchmann, G. Esser, M. H. Schmidt, T. Banaschewski & M. Laucht (2011)

Journal of Child Psychology and Psychiatry 52(2), 139-147

Zusammenfassung

Hintergrund: Neuere Studien haben ein Profil der Child Behavior Checklist identifiziert, das Kinder mit schwerer affektiver und behavioraler Dysregulation charakterisiert (CBCL-Dysregulationsprofil, CBCL-DP). In zwei neueren Längsschnittstudien war das CBCL-DP in der Kindheit bei der Nachuntersuchung im jungen Erwachsenenalter mit erhöhten Raten komorbider psychiatrischer Störungen, darunter bipolarer Störung, einem erhöhten Suizidalitätsrisiko und ausgeprägter psychosozialer Beeinträchtigung verbunden. Dies ist die erste Studie außerhalb der USA, die den Längsschnittverlauf des CBCL-DP untersucht.

Methoden: Wir untersuchten die diagnostischen und funktionellen Verläufe sowie den prädiktiven Nutzen des CBCL-DP in der Mannheimer Risikokinderstudie, einer epidemiologischen Kohortenstudie zu den Folgen früher Risikofaktoren von der Geburt bis ins Erwachsenenalter. Insgesamt nahmen 325 junge Erwachsene (151 Männer, 174 Frauen) an der Untersuchung im Alter von 19 Jahren teil.

Ergebnisse: Junge Erwachsene mit einem höheren CBCL-DP-Wert in der Kindheit hatten ein erhöhtes Risiko für Substanzgebrauchsstörungen, Suizidalität und eine schlechtere allgemeine Funktionsfähigkeit im Alter von 19 Jahren, selbst nach Adjustierung für elterliche Bildung, Familieneinkommen, Beeinträchtigung und psychiatrische Störungen zu Studienbeginn. Dysregulation in der Kindheit stand nicht mit bipolarer Störung im jungen Erwachsenenalter in Zusammenhang. Das CBCL-DP war weder Vorläufer eines spezifischen Komorbiditätsmusters noch von Komorbidität im Allgemeinen.

Schlussfolgerungen: Kinder mit hohen CBCL-DP-Werten haben ein Risiko für später auftretende schwere psychiatrische Symptomatik. Die unterschiedlichen Entwicklungsverläufe legen nahe, dass das CBCL-DP nicht lediglich eine frühe Manifestation eines einzelnen Krankheitsprozesses ist, sondern eher ein früher entwicklungsbezogener Risikomarker für ein persistierendes Defizit der Selbstregulation von Affekt und Verhalten sein könnte.

Kategorien: Komorbiditäten, Psychologische Tests

Schlagwörter: Dysregulation, Kindheit, Komorbidität, longitudinal, Reizbarkeit, Depression, ADHS, Substanzkonsum, Suizidalität, CBCL, bipolar

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