Toxizität von Amphetaminen: Ein Update
M. Carvalho et al. (2012)
Archives of Toxicology 86(8), 1167-1231
Zusammenfassung
Amphetamine bilden eine Klasse psychotroper Verbindungen, die wegen ihrer stimulierenden, euphorisierenden, appetithemmenden und in einigen Fällen empathogenen, entaktogenen und halluzinogenen Eigenschaften häufig missbraucht werden. Diese Verbindungen leiten sich von der β-Phenylethylamin-Grundstruktur ab und sind kinetisch und dynamisch dadurch gekennzeichnet, dass sie die Blut-Hirn-Schranke leicht überwinden, der Biotransformation im Gehirn widerstehen und Monoamin-Neurotransmitter aus Nervenendigungen freisetzen. Obwohl Amphetamine weithin als synthetische Drogen gelten, zu denen Amphetamin, Methamphetamin und 3,4-Methylendioxymethamphetamin (MDMA, Ecstasy) bekannte Beispiele sind, nutzen Menschen seit mehreren Jahrtausenden auch natürliche Amphetamine durch den Konsum amphetaminhaltiger Pflanzen, insbesondere Cathinon (Khat) aus Catha edulis und Ephedrin aus verschiedenen Pflanzen der Gattung Ephedra. In jüngerer Zeit ist eine Welle neuer Amphetamine auf den Markt gekommen, die hauptsächlich aus Cathinon-Derivaten wie Mephedron, Methylone, Methedron und Buthylon besteht. Obwohl Intoxikationen mit Amphetaminen weiterhin häufige Ursachen für Notaufnahme- und Krankenhausaufnahmen sind, findet sich oft die irreführende Annahme, Amphetaminderivate – insbesondere neuere Substanzen – seien relativ sicher. Vergiftungen beim Menschen werden jedoch zunehmend berichtet und zeigen ähnliche Muster wie bei klassischen Amphetaminen. Dies überrascht angesichts ähnlicher Strukturen und Wirkmechanismen der verschiedenen Amphetamine nicht, die diesen Verbindungen vergleichbare toxikokinetische und toxikologische Profile verleihen. Ziel dieser Übersichtsarbeit ist es, einen Überblick über Pharmakokinetik, allgemeine Mechanismen biologischer und toxikologischer Wirkungen sowie die wichtigsten Zielorgane der Amphetamintoxizität zu geben. Da für neuartige Amphetamine weiterhin nur begrenzte Kenntnisse für mechanistische Schlussfolgerungen vorliegen, stehen die seit Langem untersuchten klassischen Amphetamine – Amphetamin selbst sowie Methamphetamin und MDMA – im Mittelpunkt dieser Übersicht. Sie liefern umfangreiche Daten, die für die Vorhersage toxikologischer Folgen bei unvorsichtigen Konsumenten nützlich sein können.
Kategorien: Medikamente
Schlagwörter: Amphetamine, Amphetamin, Methamphetamin, 3,4-Methylendioxymethamphetamin, Pharmakokinetik, Hyperthermie, oxidativer Stress, Neurotoxizität, kardiovaskuläre Toxizität, Hepatotoxizität, Rhabdomyolyse, Nephrotoxizität
