ADHS im Erwachsenenalter

Reliabilität und Validität des Wender-Reimherr-Interviews (WRI) – Ein Instrument zur Diagnostik der ADHS im Erwachsenenalter

Grundlage der Diagnostik der ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) im Erwachsenenalter ist in der Regel die DSM-IV- oder ICD-10-Klassifikation. Für die Psychopathologie der Erwachsenen sind diese Systeme nur bedingt geeignet. Die Utah-Kriterien, die mit dem Wender-Reimher-Interview (WRI) erfasst werden können, beziehen sich explizit auf das Erwachsenenalter. Ziel der vorliegenden Studie war, die psychometrischen Charakteristiken sowie die Verteilung und Kombination der sieben Bereiche des WRI zu untersuchen und zudem einen Vergleich mit anderen Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren der ADHS-Diagnostik zu ziehen. Die Skalenhomogenität des WRI lag mit einem Cronbachs α von .88 hoch. Die Interrater-Reliabilität lag auf Itemebene zwischen .45 und .95. Hohe Korrelationen mit anderen Instrumenten bestätigten die konvergente Validität des Interviews. Das WRI erwies sich als ein reliables und valides Instrument, das über das dreidimensionale Modell der ADHS Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität hinausgeht und dabei die Symptomatik der erwachsenen ADHS-Patienten besser berücksichtigt.

Zum Online-Test: „Wender-Reimherr-Interview (WRI)„.

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Diagnose, Differentialdiagnose und komorbide Leiden der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter

Die Diagnose der ADHS im Erwachsenenalter ist eine Entscheidung, die ganz überwiegend auf klinischen Überlegungen beruht. Ein Testverfahren, mit dem ADHS festgestellt werden könnte, ist nicht verfügbar. Die diagnostischen Kriterien von DSM-IV und die darauf beruhende Konzeption der Diagnosen mit 4 ADHS-Typen – gemischte ADHS, ADHS mit vorwiegender Unaufmerksamkeit, ADHS mit vorwiegender Hyperaktivität und Impulsivität und ADHS in partieller Remission – hat sich international auch bei den Erwachsenen bewährt. Als spezielle diagnostische Lösung für Erwachsene stehen die Utah-Kriterien zur Verfügung. Bei der Untersuchung und Feststellung ADHS-verdächtiger Störungen hat sich der Einsatz von Selbstbeurteilungsskalen und Fremdrating-Instrumenten bewährt. Für die klinische Entscheidung, dass ADHS vorliegt, müssen neben der seit früher Kindheit erkennbaren Symptomatik, bestehend aus Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität, auch funktionelle Einschränkungen im Lebensalltag, subjektives Leiden und eine generelle Präsenz der Symptomatik in verschiedenen Lebensfeldern nachweisbar sein. Im Erwachsenenalter ist ADHS fast immer mit komorbiden Störungen assoziiert. Die wichtigsten komorbiden Störungen sind Suchtkrankheiten, Persönlichkeitsstörungen und affektive bzw. emotionale Störungsmuster.

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Methylphenidatbehandlung bei Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung

In der vorgestellten Studie wurde die Wirksamkeit von unretardiertem Methylphenidat (MPH) bei der Behandlung von Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitatsstorung (ADHS) unter Berucksichtigung des Storungssubtyps entsprechend den DSM-IV-Kriterien und aktueller psychiatrischer Komorbiditat untersucht. In einem offenen, unkontrollierten Design wurden 47 Patienten (18.59 Jahre, n=27 kombinierter Typ, n=20 unaufmerksamer Typ) wahrend 7 Wochen mit durchschnittlich 0,5 mg MPH/ kg/Korpergewicht behandelt; 39 Patienten beendeten die Studie. Patienten mit kombiniertem und unaufmerksamem Typ sprachen sowohl hinsichtlich klinischer Symptomatik (sehr gute/gute Symptomreduktion kombinierter Typ: 73,9%, unaufmerksamer Typ: 66,7%) als auch hinsichtlich der erfassten neuropsychologischen Parameter (Daueraufmerksamkeit, Wahrnehmungstempo, Aufmerksamkeitsteilung) vergleichbar gut auf die Behandlung an. Patienten mit ADHS und aktueller psychiatrischer Komorbiditat (n=16) wiesen im Vergleich zu Patienten mit ADHS ohne weitere psychiatrische Komorbiditat (n=23) trotz signifikant hoherer MPH-Dosis [0,56 (?}0,17) mg/kg vs. 0,46 (?}0,13) mg/kg; p=0,004] bei Studienende noch signifikant mehr ADHS-Symptomatik auf [T2-Gesamtwert Brown Attention Deficit Disorder Scales (BADDS) ADHS mit psychiatrischer Komorbiditat 66,2 (?}15,5), ADHS ohne psychiatrische Komorbiditat 51,7 (?}13,7); p=0,04]. Patienten mit ADHS und klinisch relevanter depressiver Symptomatik (Beck-Depressionsinventar .18), profitierten signifikant weniger von der Behandlung als Patienten ohne komorbide depressive Symptomatik [T2-BADDSGesamtwert ADHS mit depressiver Symptomatik 70,7 (?}15,9), ADHS ohne depressive Symptomatik 48,1 (?}21,2).; p=0,001].

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Länderübergreifende Prävalenz und Korrelate der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Erwachsenen

Hintergrund: Über die Epidemiologie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Erwachsenen ist wenig bekannt.

Ziele: Schätzung der Prävalenz und Korrelate von ADHS im Erwachsenenalter nach DSM-IV im Rahmen der World Mental Health Survey Initiative der Weltgesundheitsorganisation.

Methode: Ein ADHS-Screening wurde bei 18- bis 44-jährigen Befragten in zehn Ländern in Amerika, Europa und dem Nahen Osten durchgeführt (n=11.422). Bei 154 US-amerikanischen Befragten wurden verblindete klinische Neubewertungsinterviews zur Kalibrierung des Screenings durchgeführt. Multiple Imputation wurde eingesetzt, um Prävalenz und Korrelate unter der Annahme einer länderübergreifenden Vergleichbarkeit der Kalibrierung zu schätzen.

Ergebnisse: Die geschätzte ADHS-Prävalenz lag im Mittel bei 3,4 % (Bereich 1,2 %–7,3 %), mit niedrigerer Prävalenz in Ländern mit niedrigerem Einkommen (1,9 %) als in Ländern mit höherem Einkommen (4,2 %). ADHS im Erwachsenenalter tritt häufig gemeinsam mit anderen DSM-IV-Störungen auf und ist mit erheblichen Beeinträchtigungen der Rollenfunktion verbunden. Nur wenige Fälle werden wegen ADHS behandelt, in vielen Fällen erfolgt jedoch eine Behandlung komorbider Störungen.

Schlussfolgerungen: ADHS im Erwachsenenalter sollte in zukünftigen epidemiologischen und klinischen Studien stärker berücksichtigt werden, als dies derzeit der Fall ist.

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Prävalenz und Korrelate von ADHS im Erwachsenenalter in den Vereinigten Staaten: Ergebnisse der National Comorbidity Survey Replication

Ziel: Trotz zunehmenden Interesses an der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter ist über ihre Prävalenz und Korrelate wenig bekannt.

Methode: Ein Screening auf ADHS im Erwachsenenalter wurde in eine probabilistische Teilstichprobe (N = 3199) von 18- bis 44-jährigen Befragten der National Comorbidity Survey Replication aufgenommen, einer national repräsentativen Haushaltsbefragung, bei der mithilfe eines von geschulten Laien durchgeführten diagnostischen Interviews ein breites Spektrum von DSM-IV-Störungen erfasst wurde. Bei 154 Befragten wurden verblindete klinische Nachuntersuchungsinterviews zur ADHS im Erwachsenenalter durchgeführt, wobei Personen mit positivem Screening überrepräsentiert waren. Mittels multipler Imputation wurden Prävalenz und Korrelate der klinisch beurteilten ADHS im Erwachsenenalter geschätzt.

Ergebnisse: Die geschätzte Prävalenz einer aktuellen ADHS im Erwachsenenalter betrug 4,4 %. Signifikante Korrelate waren männliches Geschlecht, frühere Ehe, Arbeitslosigkeit und nicht-hispanisch weiße ethnische Zugehörigkeit. ADHS im Erwachsenenalter war stark komorbid mit vielen anderen in der Befragung erfassten DSM-IV-Störungen und mit erheblichen Beeinträchtigungen der Rollenfunktion verbunden. Die Mehrzahl der Fälle war unbehandelt, obwohl viele Personen wegen anderer komorbider psychischer und substanzbezogener Störungen eine Behandlung erhalten hatten.

Schlussfolgerungen: Es sind Anstrengungen erforderlich, um die Erkennung und Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter zu verbessern. Forschung sollte klären, ob eine wirksame Behandlung das Auftreten, Fortbestehen und die Schwere gemeinsam mit ADHS im Erwachsenenalter auftretender Störungen verringert.

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Prävalenz und Korrelate von ADHS bei Erwachsenen in den Vereinigten Staaten: Ergebnisse der National Comorbidity Survey Replication

Ziel: Trotz des wachsenden Interesses an der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Erwachsenen ist wenig über ihre Prävalenz oder Korrelate bekannt.

Methode: Ein Screening auf ADHS im Erwachsenenalter wurde in einer probabilistischen Teilstichprobe (N = 3.199) von 18- bis 44-jährigen Befragten der National Comorbidity Survey Replication durchgeführt, einer national repräsentativen Haushaltsbefragung, in der ein von Laien durchgeführtes diagnostisches Interview zur Erfassung eines breiten Spektrums von DSM-IV-Störungen eingesetzt wurde. Verblindete klinische Follow-up-Interviews zu ADHS im Erwachsenenalter wurden mit 154 Befragten durchgeführt, wobei Personen mit positivem Screening-Ergebnis überrepräsentiert waren. Mithilfe multipler Imputation wurden Prävalenz und Korrelate klinisch beurteilter ADHS im Erwachsenenalter geschätzt.

Ergebnisse: Die geschätzte Prävalenz aktueller ADHS im Erwachsenenalter betrug 4,4 %. Signifikante Korrelate waren männliches Geschlecht, eine frühere Ehe, Arbeitslosigkeit und nicht-hispanische weiße ethnische Zugehörigkeit. ADHS im Erwachsenenalter wies eine hohe Komorbidität mit vielen anderen in der Befragung erfassten DSM-IV-Störungen auf und war mit erheblichen Beeinträchtigungen in der Rollenfunktion verbunden. Die Mehrheit der Fälle war unbehandelt, obwohl viele Personen wegen anderer komorbider psychischer und substanzbezogener Störungen behandelt worden waren.

Schlussfolgerungen: Es sind Anstrengungen erforderlich, um die Erkennung und Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter zu verbessern. Forschung ist notwendig, um zu klären, ob eine wirksame Behandlung das Auftreten, die Persistenz und den Schweregrad von Störungen verringern würde, die gemeinsam mit ADHS im Erwachsenenalter auftreten.

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Komorbidität der ADHS im Erwachsenenalter

Der Verlauf der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ist bereits in der Kindheit durch ein hohes Maß an komorbid auftretenden Störungen gekennzeichnet, was schon zu dies em Zeitpunkt hohe Anforderungen an den diagnostischen Prozess stellt. Betrachtet man die Symptomausprägung der ADHS im Erwachsenenalter, so sind hier einerseits vielfältige psychische Begleiterkrankungen zu verzeichnen, andererseits besteht eine hohe Symptomüberschneidung mit anderen Störungsbildern, wodurch eine eindeutige Diagnose häufig erschwert wird. Für die Diagnostik der ADHS im Erwachsenenalter ergibt sich demnach folgende Konsequenz: Außer den neuropsychologischen Beeinträchtigungen müssen Probleme auf der sozialen und Verhaltensebene erfasst werden, um eine möglichst valide Aussage über die individuelle Symptomausprägung und die differenzialdiagnostische Abgrenzung zu ermöglichen. Es wird ein Ausblick auf das neu entwickelte «Bremer ADHS-Screening für Erwachsene» (BAS-E) gegeben, mit dem die genannten Bereiche erfasst sowie retrospektiv ADHS-Symptome in der Kindheit abgefragt werden. Eine Zusatzskala ermöglicht die quantitative und qualitative (Selbstmedikation) Erfassung des Alkohol-, Drogen- und Medikamentenkonsums, was sowohl für den weiteren diagnostischen Prozess als auch für die Therapieplanung von Bedeutung ist.

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Diagnostik von ADHS im Erwachsenenalter

Die Diagnose einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter ist ein komplexer Prozess, vor allem wenn die Störung im Kindesalter nicht diagnostiziert wurde. Verschiedene Datenebenen und -quellen sind dabei zu berücksichtigen. Ziel des Beitrages ist es, einen Überblick über allgemeine Probleme der Diagnostik der ADHS, die verschiedenen Stufen des diagnostischen Prozesses sowie den diagnostischen Instrumenten zu geben, die hilfreich eingesetzt werden können, um die Diagnose sowie komorbide Störungen zuverlässig zu erfassen. Zur Verfügung stehen vor allem Interviews sowie Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren. Abschließend werden offene Fragen und bestehende Probleme in der Diagnostik der ADHS diskutiert.

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